Kundenbrief

Liebe Kunden,
Was haben wir nur getan?

Bei der letzten Wahl haben wir irgendwie daneben gegriffen. Nicht nur, dass wir es nicht geschafft haben die braun-blaue Plörre in den Sumpf zu schicken, wo sie herkommt und hingehört. Unsere unklare Haltung zur vergangenen und schon wieder amtierenden Regierung treibt es auf die Spitze: die designierte Landwirtschaftsministerin der zukünftigen schwarz-roten Koalition will chemisch-synthetische Spritzmittel für den Bioanbau zulassen- geht's noch? Zum Glück gibt es ja eine EU-Bio-Verordnung, die das noch unterbindet, aber naja, seit Bayer Monsanto gekauft hat, gehört denen warscheinlich nicht nur Deutschland sondern die ganze Welt.
Wenn Sie mich jetzt sehen könnten, würden Sie warscheinlich auch denken: "was ist denn mit dem los?" Ich sitze hier und dresche heulend auf die Tastatur ein äoenväkwneväkneävoinväknävnmvkinjwe
HimmelArschundZwirn Ich bin sauer, das kann doch nicht wahr sein, Rumpelstilzchen lässt grüßen, ich sollte lieber in die Bäume klettern und Äste absägen, aber ganz dicke (-Vielleicht besser nicht), warum sind wir denn zu zehntausenden in Berlin aufgelaufen und haben kundgetan, dass wir es satt haben? Offensichtlich interessiert es die Politiker nicht sonderlich, was Ihre Wähler wünschen, sondern vielmehr was für schöne Geschenke von den Lobbyisten der Großkonzerne auf ihrem Ministertisch stehen.
Um mich wieder etwas runterzuholen: Immerhin besteht unsere Regierung nicht aus dumpfen Multimilliardären und deren Schergen, die bei jedem Gesetzesentwurf und Benennnungen von Ministern ihre eigenen Unternehmen im Blick hat, wie Führer anderer ehemals demokratischer Wirtschaftsnationen. Außerdem darf hier zum Glück nicht jeder einfach jede Art von Waffe kaufen, wir dürfen kostenlos Schulen und Unis besuchen, haben jeder eine Krankenkasse und es gibt weiterhin Überraschungseier, auch wenn die Kinder in den chinesischen Fabriken vielleicht dankbar sind, dass sie jetzt die Plastikfiguren nicht mehr für den US-Markt herstellen.
Oh je, das ist aber ein trauriger Kundenbrief, nichts als Schimpfe- tut mir leid, ich wollte Sie nicht runterziehen! Vielmehr: Hey, da ist ordentlich Schnee gefallen. Das ist wunderschön, die Kinder des Hofes tollen herum, die Kühe sind ganz aus dem- äh- Ställchen, unser Hund Emil hat ordentlich was zum Schlecken und auch aus landwirschaftlicher Sicht ist solch ein echter Winter gut (der erste nach den drei letzten Jahren, seit wir Jahns hier auf dem Hof sind). Grobe Erdklumpen werden durch die Frostgare gesprengt, Stechmücken, die wir immer wieder in der Wohnung hatten, haben endlich mal richtig eine drauf gekriegt, ebenso Maus und Laus- die waren zum Glück nicht in der Bude. Tatsächlich brauchen aber manche Pflanzen (z.B. Winterweizen) auch einen gewissen Kältereiz, um im Frühjahr gut loswachsen zu können. Sie sehen also: Das Leben ist schön, auch wenn es auf den ersten Blick die eine oder andere Widrigkeit birgt.
herzliche Grüße
Henning Jahn für die Hofgemeinschaft