Liebe Kunden,
die langjährigen Leser wissen es schon:

Hier auf Gut Rothenhausen tummeln sich öfters junge Menschen- z.B. Praktikanten aus Waldorfschulen, unsere Auszubildenden, Gästegruppen aus dem Lindenhaus, Schulklassen, Eltern mit Ihren Kindern, einfach alle, die etwas über Landwirtschaft lernen oder echte Landluft schnuppern möchten, kommen zu uns und hoffentlich auf ihre Kosten. Umso außergewöhnlicher war die Praktikumsanfrage, die ich vor einem dreiviertel Jahr bekam. Die Tochter einer der Kunden der ersten Stunde des Lieferservice bewarb sich eben dort für ein zweiwöchiges Wirtschafts-Praktikum im Rahmen der Berufsorientierung in der Oberstufe. Nach einem kurzen Kennenlernen sagte ich zu, obwohl die Abläufe im Lieferservice recht komplex sind und ich die Befürchtung hatte, dass es für sie langweilig werden könnte, fast nur zuzusehen.
Nach schier endloser Wartezeit kam der Tag X, meine erste Praktikantin, die nur Augen für das Abo hat, begann an einem Montag. Nach einer Vorstellungsrunde bei allen Mitarbeitern, versuchte ich mit ihr in unser kleines Büro gepfercht in einer Stunde zu erklären, was wir hier tun und wie die ganzen Abläufe sind. Natürlich verhedderte ich mich und erzählte auch unwichtige Details, die natürlich doch wichtig sind aber den Gesamtzusammenhang nicht wirklich begreiflicher machen. Vielmehr habe ich wohl Verwirrung gestiftet, die erst über den Verlauf der zwei Wochen wieder abgebaut wurde. Mit einer Engelsgeduld ertrug die tapfere Praktikantin meine Erzählungen und durfte am Ende des Tages auch beginnen zu protokollieren, was ich vorgetragen hatte. So und so ähnlich ging es weiter, am nächten Tag wurde der Ablauf der Bestellung gezeigt, sie durfte Eierpacken und Tüten malen, wie wir liebevoll das Vorbeschriften der Salathauben und Papiertüten für empfindliche Ware nennen. Dann kam der große Moment, eine unserer Hauptarbeiten das Packen; wie auch die anderen Arbeiten ging ihr das leicht von der Hand und meine Kollegen und "die Neue" verstanden sich blendend. Ich bekomme ja nicht alles mit, aber ich vermute es wurde viel gelacht; was ich weiß: Es wurde gut was geschafft. Am wohl wichtigsten Teil des Lieferservice durfte sie natürlich auch teilnehmen: von der Liefertour am Donnerstag kam sie so begeistert zurück, dass ich schon fast versucht war, ihr einen Job als Fahrerin anzubieten. Ihre offene, freundliche Art würde sicher bei Ihnen so gut ankommen, wie die der derzeitigen Fahrer.
Sie war sich auch nicht zu schade, auszuhelfen wenn wo anders Not am Mann war. Unser gemeinsamer krönender Abschluß war unsere Sunshine-Party an ihrem letzten Tag. Alle paar Monate feiern wir im kleinen Kreis in der Getreidescheune, dass die Fetzen fliegen. Wir hatten großen Spaß und ich möchte ihr für die zwei Wochen von Herzen danken. Ich freue mich schon auf das Hoffest am 5.5. mit ihr als Helferin und natürlich mit Ihnen als Gast.
Herzliche Grüße
Henning Jahn für die Hofgemeinschaft