Liebe Kunden,
wie ich sicher schon einmal erwähnte, bin ich nicht als Bürofuzzi, Fahrer oder Packer geboren worden...

nein in meinem frühreren Leben war ich Gemüsegärtner. Was zitterten unsere Gemüsegärtner Jenni und Ralph auf Gut Rothenhausen damals als ich neu ins Team kam: "Ein ausgebildeter Gemüsegärtner, der in den letzten Jahren im Qualitätwesen eines Import-Exportunternehmens Gemüse reklamiert hat- das kann ja heiter werden..." Und das wurde es auch- so frisches und knackiges Gemüse habe ich in meiner Handelslaufbahn nicht gesehen. Als ich im Gemüsebau Ausbildung gemacht habe, war das Gemüse zwar auch frisch, aber durch den konventionellen Dünger hielt es nicht so lange und durch die Pestizide war es nicht so gesund. Weil Hybridgemüse angebaut wurde, schmeckte es nicht so gut, wie unsere samenfesten Sorten. Ich konnte also nicht mehr der Meckerfritze sein, der ich im Qualitätsmanagement war, selbst wenn ich gewollt hätte, es gibt einfach viel zu selten einen Grund zu meckern. schauen Sie nur den Kohlrabi an, der heute warscheinlich in Ihrer Kiste liegt - ist er nicht die Personifizierung der Frische, der unbefleckten Jungfräulichkeit einer zarten Gemüsepflanze? So romantisch und balettartig ich hier linguistisch mit Kohlrabis jongliere, so bodenständig und hart ist die Tätigkeit der Gärtner. Ich habe das ja nur die zwei Jahre der Ausbildung durchgehalten, hatte aber gestern mal wieder das Vergnügen eine Stunde zu jäten und zu hacken. Jetzt weiß ich auch wieder warum ich Bürofuzzi und Obstler bin. Gerald, unser Urgestein im Gartenbau gab eine Anekdote zum Besten, mit der er mir den rechten Weg wies: "Der Hintern ist der höchste Körperteil des Gärtners.". Richtig, so war das - nicht auf den Knien, sondern im breitbeinigen Stand, nein vielmehr im Ausfallschritt mit Kopf nach unten, verrichtet der Gemüsebauer seine tägliche Arbeit. Kein Wunder, dass der Hut mit breiter Krempe das wichtigste Kleidungsstück des Gärtners ist. Sonnenbrand im Nacken tut weh.
... und da gabs noch... Tasja, die jetzt eine Kuh ist und so unglückselig ihr erstes Kalb verlor (Sie erinnern sich vielleicht)- sie hat jetzt ein neues gefunden: ihre gleichaltrige Kuh-Kollegin Therese mag gerne Milch, natürlich erlaubt eigentlich keine Kuh, dass eine andere bei ihr trinkt, hier haben sich aber zwei gesucht und gefunden. Milchbäurin Anna sieht das Spektakel mit gemischten Gefühlen: natürlich ist es irgendwie lustig, andererseits ist das nicht gut für Therese, da ihr Labmagen schon nicht mehr existiert, in dem Kälber die Milch noch aufschließen können, auch für Tasja kann das zu einer schmerzhaften Euterentzündung führen. Nachdem wir genug gelacht haben, wurde Therese ein mit Stacheln bewehrter Nasenclip verpasst, so dass Tasja die Lust daran vergeht Therese saugen zu lassen. Wenn Sie also im Stall einer Kuh begegnen, die Sie an Hanibal Lector erinnert, wissen Sie wie es dazu kam...

Herzliche Grüße
Henning Jahn für die Hofgemeinschaft