Liebe Kunden,
man soll ja nicht schlecht reden und schon gar nicht von seinen Mitarbeitern

und schon ganz gar nicht vor Kunden und vor allem nicht schriftlich, aber jetzt muss ich doch mal schimpfen: Es gab ein riesiges Angebot an Obstblüten dieses Jahr, es war warm, trocken und manchmal sogar windstill, da hätten die Kollegen dochmal ordentlich was an Nektar sammeln und Blüten bestäuben können. Ich war auch davon ausgegangen, dass das hinhaut, aber wenn man nicht alles selber macht... Jetzt bei der Nachkontrolle musste ich feststellen, dass da richtig schlampig gearbeitet wurde: nicht mal die Hälfte der Blüten war ordentlich bestäubt worden, so dass die Ernte bei weitem nicht so reichlich ausfallen wird, wie sie könnte. Die eine Sauerkirsche, von der ich dieses Jahr bei guter Bestäubungsabeit wirklich mal hätte was ernten können, wurde so schlecht bestäubt, dass es sich nicht lohnen wird, da mit einem Körbchen hinzugehen. Die ganz frühen Blüher sehen besser aus, Mirabellen und Pflaumen sollten also reich zur Verfügung stehen, die Birnen waren auch früher dran und es wird wohl ein paar geben, aber unsere Hauptkultur die Äpfel haben nicht den erwarteten Fruchtansatz. Aber was ist da passiert? Sind die sonst so emsigen Immen in Streik getreten? Legen sie sich auf die faule Haut? Sind sie gestorben, weil sie auf vergifteten Nachbarfeldern genascht haben? Ich habe mich gestern mit Monika der Imkerin unterhalten und sie sagte mir, dass die Bienen nichts in den Honigraum eingetragen haben, sondern alles für ihre Brut verwenden. Wir werden also nicht nur wenig Obst, sondern auch wenig Honig bekommen. Die Erklärung liegt wohl weniger in der fehlenden Motivation oder Krankheit der Mitarbeiter begründet, sondern vielmehr in der plötzlichen Vielfalt des Angebotes an Leckereien: Stellen Sie sich vor, sie hätten richtig dolle Hunger nach einer langen Fastenkur und gehen dann in einen Laden. Was legen Sie in Ihren Einkausfwagen? Richtig- von allem etwas, vor allem was satt macht und schön aussieht. Und was macht so eine Honigbiene richtig satt und wo kann sie ohne von einer zur nächsten zu fliegen gleich 20 Mal ein tröpchen Nektar bekommen? Richtig-Löwenzahn, Flieder, Schneeball, Raps... Alles stand gleichzeitig mit dem Obst reichlich zur Verfügung, da wurde wohl der Winterhunger anders gestillt als mit Apfelblütennektar. Jetzt steh ich da ich armer Tor, glaube aber fest daran, dass es doch die eine oder andere Frucht zu ernten gibt und Sie in diesem Herbst auch wieder in den Genuß unserer Äpfel kommen. Für die kommenden Jahre werde ich versuchen mehr Wildbienen, insbesondere Mauerbienen anzusiedeln, da diese bei geringeren Temperaturen fliegen als Honigbienen, sie bestäuben effektiver, stechen nicht, fliegen nicht so weit, sind also von den Pflanzenschutzmitteln der Nachbarn nicht beeinträchtigt und vor allem lieben sie Obstblütennektar über alles- da lassen sie sogar Löwenzahn für stehen.
Herzliche Grüße
Henning Jahn für die Hofgemeinschaft