Liebe Kunden,
Hatte ich in der letzten Zeit mal vom Wetter geschrieben?

Nachdem ich zur Kirschernte Modern Talking zitiert habe, geht die Reise in die Abgründe der Folklore weiter und was könnte mehr schmerzen, als der holländische Showmaster Rudi Carell? Jetzt haben wir ihn, wie er früher einmal war: den Sommer mit Sonnenschein von Juni (äh "besser" noch Mai) bis naja noch nicht ganz September, aber es ist ja grade kein Ende in Sicht. Nicht dass ich Ihnen und meinen Kindern das Badevergnügen usw. mißgönne, aber auf unseren Weiden wächst nichts. Grade ist eine Sondergenehmigung für Biobetriebe rausgekommen, die den Zukauf von konventionellem Rauhfutter, also Heu etc. dieses Jahr erlaubt. So schwer es uns auch fällt, werden wir wohl in den sauren Ballen beißen und von unserem entfernten Nachbarn einige Ballen kaufen, sonst verhungern uns die Kühe im Winter. Tatsächlich reicht aber nichtmal das. Wir müssen sogar einige Tiere verkaufen, was ja so gar nicht unseren Idealen entspricht. Eines unserer Ideale heißt ja aber auch geschlossene Betriebskreisläufe und anstatt noch mehr Futter zuzukaufen, müssen wir wohl, wenn es sonst nicht reicht, mit weniger Kühen klarkommen. Das stellt natürlich den ganzen Betrieb vor Herausforderungen: Weniger Milch zum Käsen, weniger Mist zum Düngen, kleinere Portionen auf den Weiden...
Doch nicht nur die Kühe und ihre Bauern können stöhnen. Auch mein Obst macht Kapriolen, die alles total unberechenbar machen: Die zwei Mirabellenbüsche, die ich im Auge hatte, wollen einfach nicht reifen. Da aber auch noch ein paar Büsche in den Knicks warten, habe ich kürzlich eine weitere Runde gedreht und musste beschämt erkennen: zwei, an denen auch gar nicht so wenig hing, sind mir durch die Lappen gegangen und werden bereits faul. Ähnlich schwierig ist die Situation mit den Äpfeln: die meisten Bäume hängen gut voll, was mich ja glücklich machen sollte. Wenn man aber reinbeißt, ist es als würde man auf einer Reiswaffel kauen. Zum Glück hat mein Obstbau-Kollege und Vorgänger Günter einige junge Bäume, bei denen die Wasserversorgung besser aussieht, genießen Sie also den Klarapfel, wer weiß was noch kommt...
Für die Hofgemeinschaft Henning Jahn