Liebe Kunden,
wer schon länger unseren Kundenbrief liest, kennt sie bereits: herzlich Wilkommen zurück, Detti,

die Dame mit dem dicken Knie (sie wurde vor zwei Jahren bei der Birnenernte von einer Hornisse gestochen). Damals noch am Anfang ihrer Ausbildung, ist sie jetzt schon fertige landwirtschaftliche Gesellin und arbeitet bei uns im Ackerbau während der Getreide- und Kartoffelernte. Ich freue mich sehr, dass sie wieder für ein paar Monate bei uns ist. Nicht nur, dass sie ein sehr humorvoller, offener Mensch ist, sie bringt auch richtig Leben in die Bude: Bei unserer morgendlichen Besprechung gestern lud sie zur Schnippeldisco am Abend ein, wo es galt, die Berge von Tomaten einer sinnvollen Verwendung zuzuführen. Jetzt ist unser Passatavorrat wieder aufgefrischt, wobei zu erwarten ist, dass da noch einiges kommt, wenn das Gärtnerwetter weiter so mitspielt. Über das Weidewetter hatte ich mich ja schon vorletzte Woche ausgelassen und ich hatte wohl leider Recht: Es ist kein Ende in Sicht. Vor zwei Tagen grummelte und rumpelte es ja unentwegt, unser Hund lag die ganze Nacht zitternd unter unserem Bett und als Lohn für all die Aufregung kam dann in den Morgenstunden ein Tropfen. In Lübeck und Hamburg hat es wohl doll geregnet, hier praktisch nicht.
Habe ich irgendwann behauptet, dass einer reichen Obst-Ernte nichts im Weg steht, als vielleicht ein schrecklicher Hagel? Ja, das habe ich direkt nach der gelungenen Befruchtung der Obstblüten. Sie erinnern sich vielleicht: kurz zuvor hatte ich die Faulheit der Bienen angeprangert, dann widerrufen und tatsächlich alles hängt voll, aber die Bäume fangen an, unreife Früchte abzuwerfen, weil sie sie nicht versorgen können. Sie können sich vielleicht vorstellen, was da im Herzen eines Obstbauern los ist. Verzweiflung, Ohnmacht und Hoffnung wechseln sich ab mit dem Glauben daran, dass schon alles gut wird und dieser wird ergänzt durch die Tatsache, dass das einfach der schönste Beruf der Welt ist. Heute stand ich mal wieder auf dem höchsten Wipfel des Mirabellenbaums und konnte ungeniert die Schöneit des Seins genießen.
Für die Hofgemeinschaft
Ihr Henning Jahn