Liebe Kunden,
für unsere Kühe reicht das Gras auf der Weide seit Wochen nicht aus.

Wir müssen mit Silage, die eigentlich als Winterfutter gedacht ist, zufüttern. Gleichzeitig konnten wir aufgrund der Dürre nur einen Bruchteil des benötigten Winterfutters auf unseren Flächen gewinnen. In normalen Jahren erzeugen wir das gesamte Futter für unsere Kühe selbst. In diesem Jahr sind wir gezwungen Futter zuzukaufen und Tiere zu verkaufen bzw. zu schlachten. Da es sich nicht um eine lokale Dürre handelt, ist auch der Zukauf von Öko-Futter schwierig. Um den Landwirten zu helfen und um zu verhindern, dass Tiere hungern müssen, wurde nun auch von Verbänden wie Demeter und Bioland von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Ausnahmegenehmigungen auszustellen für den kontrollierten und behördlich genehmigten Zukauf begrenzter Mengen konventionellen Grundfutters (Gras, Heu, Grassilage, Stroh). Die jeweiligen Verordnungen sehen dieses Vorgehen vor. Ist also nun auf einmal dort, wo Bio drauf steht, nicht mehr Bio drin? In diesem Zusammenhang gilt folgendes:
Ausnahmegenehmigungen sind immer die letzte Möglichkeit, sie werden nicht leichtfertig ausgestellt und bedürfen einer gründlichen Prüfung.
Sie beziehen sich auf ein konkretes Produkt in einer konkreten Menge. Grundsätzlich bleiben dabei alle anderen Anforderungen der Bio-Verordnung bestehen: die Tiere erhalten weiterhin Auslauf, werden artgerecht gefüttert usw. Deshalb verlieren die betroffenen erzeugten Produkte durch eine Ausnahmegenehmigung nicht ihren Status als Öko- bzw. Verbandsware. Wir versuchen solche Situationen so gut wie möglich zu vermeiden. Nur, wenn es nicht anders geht wie jetzt, machen wir von der Möglichkeit einer Ausnahmegenehmigung Gebrauch. Es ist damit zu rechnen, dass die Verfügbarkeit von Öko-Rohstoffen besser wird mit steigender Nachfrage nach Öko-Produkten. So können auch Sie durch Ihr Bekenntnis zum Ökolandbau dazu beitragen. Konkret für die aktuelle Situation bedeutet das: wir haben den größten Teil des noch fehlenden Futters aus 400km Entfernung in Öko-Qualität bekommen, einen kleinen Teil werden wir höchstwahrscheinlich von einem benachbarten konventionellen Kollegen zukaufen. Es handelt sich dabei um Heu von unbehandelten Grünlandflächen. Zusätzlich haben wir schon jetzt die Milchviehherde um 17% durch Tierverkäufe reduziert – evtl. muss es noch mehr werden. Sollten Sie zu diesem oder anderen Themen Fragen oder Gesprächsbedarf haben, wenden sie sich bitte damit an uns – nur so können wir das für alle wichtige vertraute Verhältnis zwischen Bäuerinnen, Bauern, Verbraucherinnen und Verbrauchern schaffen und auch Extremsituationen wie die diesjährige Dürre gemeinsam überstehen!

Für die Hofgemeinschaft
Ihre Jenni Ponsens, Philipp Hennig und Henning Jahn