Liebe Kunden,
es wird Herbst und ich muss raus, die Apfelernte steht an.

Nachdem wir letztes Jahr keinen reinen Apfelsaft pressen konnten, gibt es dieses Jahr keinen Zweifel, dass wir wieder mehr als einen Jahresvorrat für Saft ernten werden. Die erste Charge ist schon in Flaschen, der eine oder andere hatte sicher schon das Vergnügen. Aber bevor ich den Äpfeln rüttelnd zu Leibe rücke, pflücke ich erstmal noch etwas Tafelobst, auch davon könnten Sie eine kleine Auswahl in Ihrer Kiste heute haben. Leider ist in meiner Urlaubszeit der Ruhm von Vierlandenfast komplett abgefallen und so kamen nur ein paar von Ihnen in den Genuß dieses rotbackigen spritzigen Gesellen. Ähnlich saftig und spritzig kommt Fürst Blücher daher. Äußerlich unterscheiden sich die beiden jedoch phänomenal: was der Ruhm an Lebensfreude und Glanz ausstrahlt, davon träumt der Fürst des Tages. Er erscheint fast durchsichtig vor Unscheinbarkeit, wirkt sehr vornehm und zurückhaltend, sein mildes grün kaschiert er unter einem matten Grau, was er durch eine nur nach Lust und Laune auftauchenden Berostung unterstreicht. Auf Deutsch: ein Ladenhüter, weil er äußerlich nicht so ansprechend aussieht und daher nicht so leicht zu verkaufen ist. Er kann vom Aroma natürlich nicht mit einer späten Sorte konkurrieren, verdient sich aber durch sine Frische diese Zeilen. Wieder etwas freudiger kommt der Seestermüer Zitronenapfel daher. Nicht grade den modernen Trends der Apfelindustrie gemäß, hat auch er keine roten Wangen, sondern geht wie sein Name schon vermuten lässt stark ins Gelbe. Allerdings tritt diese Färbung nur auf der sonnenbeschienen Seite auf, sonst sieht er wie ein Granny Smith aus, der übrigens mein Lieblingsapfel als Kind war, heute lässt er mich kalt. Ganz anders als der Zitronenapfel. Mit einer Bandbreite von Aromen überwältigt Frucht aus Neue. Das sind die drei, die ich schon geerntet habe. Von Günter, der ja auch noch einige Bäume betreut, kommt noch eine Goldparmäne- der Kindheits Lieblingsapfel meines Vaters- Ich präsentiere diese Woche neben der grauen Eminenz (dem Fürst) den Dülmener Rosenapfel, der auch in die spritzige Richtung geht, aber milder ist und auch optisch gefällt: hellgelb mit rosa oder roten Tupfen ist er ein hübscher Vertreter der alten Sorten, die hier auf dem Hof gedeihen. In den nächsten Wochen ernte ich die Bürgermeisterbirne, den Finkenwerder Herbstprinz, den Holsteiner Cox, und den sicher schon heiß ersehnten Elstar, bevor dann noch die Winteräpfel kommen. Ganz nebenbei hoffe ich auch dazu zu kommen, das Obst für den Saft zu sammeln... Mein Rücken und die Oberschenkel schmerzen, aber ich bin glücklich. Glücklich über die tolle Arbeit, die ich dank Ihnen ausüben kann und glücklich über meine Kollegen und die Freunde des Hofes, mit denen ich am Samstag ein rauschendes Fest feiern durfte. Gerne hätte ich auch mit ein paar von Ihnen das Tanzbein geschwungen. Ich freue mich daher umso mehr auf das Hoffest am 4.5.2019

Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn