Liebe Kunden,
ich hab's getan.

Ich bin durch's Feuer gegangen. Einige von Ihnen haben vielleicht mit dem Gedanken gespielt, es auch zu tun, ich spreche von der Feuerzeremonie mit der sibierischen Schamanin Aayla, die bei uns auf dem Hof zu Gast war. Eine Abo-Kundin war auf mich zugekommen, ob an unserem Hof nicht Platz sei für eine relativ spontane Veranstaltung. Einen Schamanen stellt man sich mysteriös, geheimnisvoll und ernst vor- zumindest hatte ich da so ein Bild. Umso überraschter war ich einer verschmitzten älteren Dame in Militärhosen und einem Fleecestirnband gegenüberzustehen, die herzlich jeden in ihre Arme schloss, der diesem Ritual beiwohnen wollte. Das uralte Initiationsritual des Feuerlaufes findet sich in einigen Kulturen. Dazu wird ein großes Feuer entfacht und abgebrannt, sodass genug glühende Kohle übrigbleibt, dass man daraus eine 1,5m breite Laufbahn ausbreiten kann. Nach Erläuterung des Ablaufes durften wir mehrfach über die etwa 6m lange Bahn laufen, um in diesem Prozess alte Gewohnheiten oder Blockaden hinter uns zu lassen. Jeder sollte sich beim Lauf auf das Loslassen derselben konzentrieren. Trance- für die einen eine Musikrichtung für die anderen etwas, das man aus Dokumentationen über z.B. trommelnde Urvölker kennt. Letzteres ist der Zustand in den man sich optimalerweise begibt, wenn man über die 700°C heiße Fläche huscht. Aber wie fühlt sich das an? Ist es tiefe Versenkung wie in der Meditation? Irgendwie ja aber andererseits muss man ja auch wach und in seinem Körper sein, sonst kann man ja nicht laufen... Habe ich den Eindruck diesen Zustand erreicht zu haben, als ich über die Glut lief? Nein. Ich habe mich gefühlt, wie immer: eins mit meinem Ego, neugierig, was jetzt wohl als nächstes passiert, beobachtend und gar nicht so geflasht, wie ich erwarte hatte.
Aayla hatte inzwischen Ihre Ritual-Kleider angelegt und trommelte nach erklärenden Worten zum Lauf. Auch wenn ich mir über die physikalischen Zusammenhänge (Kohle, wie auch Wasser, aus dem ja mein Körper hauptsächlich besteht, sind schlechte Leiter- daher verbrennt man sich nicht so dolle) klar war, war ich etwas aufgeregt. Meine Füße wurden tatsächlich sehr heiß und ich fühlte immerwieder Glück durch meinen Körper strömen, wenn ich die Strecke hinter mich gebracht hatte. Tatsächlich meinte ich sehr wohl einiges an Brandblasen an den Sohlen zu haben, was schwer zu überprüfen war, da die Füße einfach komplett schwarz waren. Ich kann dies aber revidieren. Ich hatte nicht eine Blase. Es war für sicher jeden ein Erlebnis, an das er sich sicher sein ganzes Leben erinnert, auch wenn der eine oder andere ein Mal davonträgt, was übrigens aus schamanischer Sicht äußerst glücksverheißend ist.
Für die Hofgemeinschaft

Henning Jahn