Liebe Kunden,
wir haben es geschafft: alle Äpfel sind unter Dach und Fach.

Die letzte Charge des Fallobstes wird zur einen Hälfte mit Möhren, zur anderen Hälfte mit Quitten zu unseren leckeren Mischsäften gepresst. Unser Erdkeller ist voll, vielleicht hätten noch 500kg mehr reingepasst, aber so ist er schon ganz gut ausgelastet. Es hat viel Spass gemacht zu ernten und aufzulesen und natürlich freue ich mich auch schon drauf, Ihnen die Vielfalt im Korb zu präsentieren. Wovor ich allerdings etwas Angst habe ist das Durchsortieren. Alle zwei bis drei Wochen muss ich die gesamte Ladung auf faule untersuchen, da diese sonst die benachbarten Äpfel anstecken können. Das Durchsuchen ist eigentlich keine schlimme Arbeit, aber jeder Stapel muß dafür bewegt werden. Ich werde also immer wieder Workout-Tage haben, an denen ich tonnenweise Äpfel lupfe. Als alter Kraftsportler sollte das kein Problem sein, ich rechne aber schon damit, dass mir dabei warm wird. Aber es hängt noch Obst am Baum und Busch: Hagebutten sind ja ein gefundenes Fressen für unsere Piepmätze im Winter und die Ausbeute und der Arbeitsaufwand rechtfertigen nur für Liebhaber die Ernte und Verarbeitung. So werden sie wohl bleiben, wo sie sind. Schlehen habe ich vor einigen Jahren mal zu Hauf geerntet und bei meinem Schwiegervater stehen immer noch etliche Gläser der Marmelade im Keller, dabei ist sie sooo gesund. Die Gerbstoffe reduzieren sich zwar durch Frost, es bleibt aber eine sehr herbe Frucht. Umso erstaunter war ich, durch meine Mitarbeiterin Carmen von der sagenumwobenen Schlehenpflaume bzw. Haferschlehe (Prunus spinosa subsp. fruticans) zu hören: eine große gerbstoffarme Schwester der Schlehe. Erst hielt ich sie für einen Mythos, bis ich dann auf dem Hof über sie stolperte. Es befinden sich nach meinem bisherigen Kenntnisstand drei Büsche auf dem Gut Rothenhausen. Sie sind blauviolett, wie Schlehen, ihre Äste haben aber weniger Dornen und die Früchte sind etwa doppelt so groß. Und tatsächlich - selbst ohne Frost zieht sich beim Verzehr nicht sofort alles zusammen. Nach fünf Früchten wird es dann schon etwas pelzig auf der Zunge, aber sie sind süß und erinnern vom Aroma an Zwetschgen. Anstatt Sie aber mit diesen Wildobstexoten zu peinigen bekommen Sie den Kulturobstexoten (die Quitte) in Ihre Obstkiste. Sie ist so ziemlich das einzige Obst, was man nicht roh essen kann und somit für einige Obstfans gar kein richtiges Obst... Aber selbst wenn Sie sie nicht essen möchten, wird sie Ihr Heim verzaubern. Nichts duftet so intensiv wie sie und stellt Sie schon auf die herannahende kalte Jahreszeit ein, wird sie doch auch bei spröden Lippen und trockener Haut verwendet.
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn