Liebe Kunden,
jeder, der als Kind oder mit dem eigenen Kind schon mal hier auf dem Gut Rothenhausen war,

konnte erfahren wie wunderbar hier auf dem Hof Jahreszeiten, das Leben mit den Tieren, den Pflanzen und dem Wetter immer wieder wundervolle Entfaltungsmöglichkeiten aber auch neue Herausforderungen bietet. Das Erleben der Bewirtschaftung von Land bietet vor allem den Jüngsten die Möglichkeit, im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar zu machen, was es bedeutet aus Erde, Wasser, Sonne und Wind das zu machen, wovon wir alle leben.
Doch so gut wir auch versuchen, Landwirtschaft zum Anfassen zu machen, können wir doch sicher nur wenigen, die wirklich oft hier sind, vermitteln, welche Vielfalt bei uns lebt. Natürlich freuen wir uns, wenn Sie Fragen haben und versuchen wir immer wieder z.B. auf unseren Veranstaltungen Leuchtturmfunktion zu übernehmen und Zusammenhänge zu veranschaulichen. Wie oft gerate ich immerwieder in die Situation, dass ich Gespräche draußen schnell doch wieder um den Hof drehen und ich ins Schwärmen gerate. Manchmal ertappe ich mich dabei und schäme ich mich etwas für mein vermeintlich als Jubilieren getarntes Verkaufsgespräch. Aber ich kann nichts dafür: Es ist wirklich so toll und ich freue mich, dass unsere Kinder in dieser außergewöhnlichen Situation aufwachsen dürfen und auch ich mich so entfalten kann.
Nicht nur die Arbeit mit Erde, den Tieren und den Pflanzen, sondern auch die spezielle Situation mit der Gemeinschaft lehrt die Kinder auf dem Hof ein Leben zu führen, das sich von dem im Großteil der Gesellschaft deutlich unterscheidet. Ihre Eltern sind nicht nur durch die gemeinsame Unternehmung und ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von einander verbunden, sondern sie lernen auch, was es heißt, mit anderen Familien als der eigenen unter einem Dach zu leben. Zwar ist es nicht wie in einer Kommune, wo alle gemeinsam größere private Anschaffungen für einzelne beschließen, ähnelt aber von außen betrachtet schon einem kommunistischen oder sozialistischen Zusammenschluß. Von innen heraus hat das ganze mit Politik nichts zu tun und auch das Leben und die Entscheidungsfindung hat nichts mit 5 Jahresplänen oder großen Volksbefreiern gemein. Marx ist für den Hof ebenso wenig präsent, wie z.B. Adam Smith und andere Wirtschaftsphilosophen der letzten Jahrhunderte. Wir leben gemeinsames Wirken in Kombination mit privater Autonomie, haben uns also die Sahne aus den herkömmlichen Theorien zu eigen gemacht und finden so unser Glück nicht im von oben aufoktroierten Willen des Volkes noch im Kampf aller gegen alle, sondern wir gestalten immer weiter aus, welche Form des Miteinanders sich für jeden von uns am besten anfühlt, die meiste Freiheit für jeden bietet und doch nicht der Schlagkraft der Kunkurrenz weichen muss.
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn