Liebe Kunden,
Superfood ist ja in alle Munde, oder?

Und was ist das überhaupt? Möglichst exotisch sollte es sein und so kommt es dass die meisten Beeren ebensoschwer auszusprechen wie zu genießen sind. Goji, Aronia, Acai Acerola, aber auch Baobabfrüchte, Ingwer und Moringa werden hoch gehandelt. Ich selbst finde Äpfel ja super, nur schmecken die vielleicht zu gut, um sich den Namen zu verdienen. Aber was ist denn mit Gemüse? Das sucht man in der Liste vergebens, doch werden wir eines heute genauer unter die Lupe nehmen... Also konkret: Gibt es auf dem Gut Rothenhausen Superfood? Klar, alles! Das Mehl fürs Brot wird kurz vorher gemahlen, ist also so frisch wie es kaum ein anderer Bäcker nutzt. Unsere Äpfel stammen von Streuobstwiesen, die nur von unseren Tieren beweidet werden. Unsere Legehennen werden mit unserem Buchweizen gefüttert... Wir machen nur Superfood, aber dürfen wir das so sagen? Wir müssen uns daher wohl den Marketingbegriff genauer ansehen.
Superfood bezeichnet möglichst unverarbeitete Lebensmittel, die besonders nährstoffreich sind und sich überdurchschnittlich positiv auf die Gesundheit auswirken. Grünkohl ist ein solches Lebensmittel, denn sein Nährstoffprofil übertrifft das vieler anderer Gemüse- und Kohlarten. So enthält er beispielsweise dreimal so viel Protein und viermal so viel Eisen wie Weisskohl. Um z.B. seinen Bedarf an Eiweiß zu decken, müsste ich also nur 2kg von dem Kraut pro Tag zu verzehren;-)
Diese Nährwert- und Exotenrennerei empfinde ich persönlich als am eigentlichen Ziel vorbeigehend. Vielmehr appeliere ich an Ihren Körper zu nehmen, was er braucht. Wenn Sie lernen, genau hinzuhören, brauchen Sie sicher keine Nährwerttabelle oder Superfoodempfehlung. Der Appetit führt Sie sicher auf den rechten Weg. Was den Appetit bestimmt, ist in der Regel nicht aus einer überlegten Entscheidung des Gehirns, sondern aus dem Verlangen der Zunge geboren. Also geht es meiner Einschätzung nach vielmehr darum zu genießen, als bewusst abzuzirkeln. Also wenden wir uns doch mal diesem zu- insbesondere bei unserem Supergemüse. Braucht Grünkohl eigentlich Frost? Kaum eine Frage beschäftigt die Menschheit in der kalten Jahreszeit wohl mehr als die Frage, ob es erst ordentlich frieren muss, bevor er uns schmeckt oder nicht. Bei den heute angebauten Grünkohlsorten wurden die Bitterstoffe herausgezüchtet, damit dieser auch ohne Frost schmeckt. Sobald die Tage im Winter kürzer werden und das Thermometer unter 10 Grad fällt, fängt die Pflanze an, die Bitterstoffe abzubauen. Die Reduzierung der Bitterstoffe war auch bei den alten Grünkohlsorten erwünscht, allerdings geschah dies bei wesentlich niedrigeren Temperaturen. Daher schmeckte der Grünkohl früher erst nach längeren Kältephasen milder und süßlicher.
Nun wissen Sie also Bescheid und können mit Ihrem geballten Grünkohl-Wissen bei der nächsten Party wichtige Aufklärungsarbeit leisten.
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn