Liebe Kunden,
Endlich Basen-Flexitarier.

Seit ich nicht mehr in meinem Elternhaus lebe, habe ich dem Fleisch abgeschworen. Zuerst war Barmherzigkeit der Ursprung meines Ansinnens, ich wollte einfach nicht, dass Tiere für mich sterben müssen und auch aufgrund meines Gesundheitszustandes hatte ich die Empfehlung bekommen, tierisches Eiweiß zu meiden. So erlernte ich nach Nudeln-Rot, Kartoffeln, Spiegelei und Fischstäbchen, was ich schon als Jugendlicher konnte, gleich als erstes das Kochen ohne Fleisch. Pudding nämlich. Nachdem das erste Jahr überstanden war, hatte ich mein Repertoire schon um zwei Gerichte erweitert: Grünkernbratlinge und gefüllte Pilze. Ein Aufenthalt in Amerika eröffnete weitere Optionen brachte mich aber auch zum Nachdenken über Veganismus, dem ich dann kurz verfallen war, doch lernte ich bald die ayurvedische Kochkunst kennen und von da ab ging es steil bergauf mit der Befriedigung meiner Geschmacksknospen. Die Verwendung von Gewürzen wird in der indischen Küche ja ganz groß geschrieben und vegetarisch wird da ohnehin meist gekocht, doch der hohe Stellenwert der Milchprodukte ließ mich zunächst wieder Abstand nehmen von der veganen Lebensweise. Ob Linsensuppe, süße Bällchen oder Gemüsetaschen, mit Sahne, Ghee oder Butter schmeckt es mir einfach etwas besser als ganz ohne oder mit Ersatzprodukten aus Soja. Ok, Mandelmilch ist auch was feines, war aber damals nicht verfügbar und wenn doch, nicht in meinem Budget. Vielleicht fiel es mir auch deshalb so leicht, Milchprodukte ruck zuck wieder in meine Diät einzubinden, weil ich Kühe so gerne mag und der Umgang mit ihnen in dem Kloster, wo ich sie kaufte mir sehr gut erschien, vielleicht war es aber auch Bequemlichkeit. Als ich aber im Verlauf meines Landwirtschaft-Studiums einige Bio-Milchviehbetriebe sehen musste verging mir die Lust auf Milch und ich ergriff die vegane Lebensweise wieder. Solange man sie für sich selbst allein zu Hause praktiziert ist es relativ einfach so zu leben, doch wehe man ist eingeladen, geht essen oder bekommt auf einer Party Hunger. Dann wird es schwierig und leider oft auch etwas unangenehm, wenn man fragen und je nachdem, wie streng man ist auch mehrmals nachfragen muss, um sich zu vergewissern, ob man das auch wirklich essen kann. Ein Luxusproblem, was man sich aus ethischen Gründen selbst auferlegt. Menschen in ärmeren Regionen stellt sich die Frage wohl eher nicht, sie müssen wohl nehmen, was sie kriegen. Wir schwelgen in Mitteleuropa ja aber so im Überfluss, dass eine Gegenbewegung zur Massentierhaltung (auf Kosten der Ärmsten und der Tiere) mehr als berechtigt ist. Ich konnte drei Jahre der veganen Lebensweise mit Vergnügen frönen und hatte dabei auch relativ wenige Widerstände zu überwinden. Natürlich wird man verspottet, angegriffen und muss sich immer wieder rechtfertigen, aber zum Glück hat man die Argumente ja auf seiner Seite. Als ich dann aber auf einen Bauernhof kam, an dem zu tollen Bedingungen Milch erzeugt wird und die Hühner ein freies Leben führen, wurde es eng mit den Argumenten und ich ließ mich wieder auf den Genuss ein. Auf der darauf folgenden Reise nach Neuseeland gab es so viel tollen Fisch, dass ich auch da schwach wurde und so bin ich nun zum Ovo-Lacto-Pescetarier (Krebs- und Weichtiere eingeschossen) mutiert. Nun auf Gut Rothenhausen, als Gatte der göttergleichen Kuhbändigerin, habe ich den Schritt zum Roastbeef noch nicht gewagt, bin aber aus ethischen Gründen nicht mehr abgeneigt, vielmehr ist es eine gefühlte Barriere, die ich da (evtl. noch) nicht überwinden kann.
Diäten sind ja ein anderes Thema, sollen sie doch eher der eigenen Genesung, als dem Wohle der Welt dienen. Der derzeitige und schon seit einigen Jahren praktizierte Hype auf Gut Rothenhausen ist das Basenfasten. Da mir hierzu die nötige Expertise fehlt, begnüge ich mich mit ein paar hinweisenden Vermutungen, wie man Basalist wird: man vermeide es zu saure Lebensmittel zu verzehren: Salz- und Schwefelsäure sind ebenso unzulässig, wie man keine Ameisen verzehren sollte. Auch Zitronen und Essig darf man nicht wie wild reinhauen. Vielmehr sollte man Laugen trinken. Eine milde Seifenlauge verbreitet ebensolches Vergnügen wie Natronlauge, mit der man ja auch prima Lacke abbeizen kann. Oder habe ich da was falsch verstanden? Ja!?! Ach, es geht um Basen bildende Lebensmittel- stimmt, Zitrone darf also doch, was man nicht sollte, sind Lebensmittel mit hoher Nährstoffkonzentration, Verarbeitungsstufe und Genussmittel: Fleisch, Fisch, Sahne, Getreide, Zucker, Kaffee, Alkohol… Wenn man einem der Säurebildner doch nicht widerstehen kann, gilt es das auszugleichen mit z.B. Rettich, Gurke, Salat, die besonders Basen bildend wirken. Zusätzlich verlangt die Basendiät, frühes zu-Bett-gehen, reichliches trinken und den Verzicht auf Mahlzeiten nach 18:00Uhr. Vielleicht würden auch die letzten Punkte in Kombination auf den Verzicht mit Genussmitteln ausreichen um einen deutlichen Effekt auf die Lebensqualität zu erzielen. Ich selbst kenne hingegen nur das reine Fasten und muss sagen, dass ich davon sehr schlechte Laune, keine Energie, Schlafstörungen und krassen Hunger bekomme, was entgegen der sonst so verbreiteten Meinung „am dritten Tag ist das alles kein Problem mehr“ real war und mich dazu bewog diese Selbstkasteiung zu beenden. Da war also keine Spur von Verbesserung der Lebensqualität zu spüren. Das führt mich zum letzten Ernährungstrend, der immer mehr Zulauf hat und vielleicht der wahre Jacob ist: Als Flexitarier liegen Sie immer auf der richtigen Seite. Sie essen bewusst, genießen was Sie essen und verzehren keine tierischen Produkte aus Massentierhaltung. Laut statistischer Erhebungen sind über 10% der Bevölkerung Flexitarier, manche sicher ohne es zu wissen, vielleicht sogar Sie selbst. Lassen Sie sich also das basische bio-flexigane Roastbeef vom Gut Rothenhausen schmecken und retten Sie mit wahrem Genuss die Welt.
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Wir kommen wieder ab dem 2.1.2019
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn