Liebe Kunden,
endlich Regen, ähh ne Sonne, ähh, ne Schnee, Regen, Hagel, ähh ne Orkan, ähh ne ach was denn nun?

Egal, Wetter halt. Erinnert schon ziemlich an April. Es war nur erst Mitte März. Dann wollen wir nur mal hoffen, dass der April nicht wieder wie Juli wird, obwohl die Apfelernte es ja danken könnte. Hm, vielleicht muss man das ganze etwas globaler betrachten. Schneesturm in New York, Schmelzen der Polkappen, El Niño und la Niña, doch halt, hier bin ich schon wieder am Ende der Kette angelangt, ohne Hintergründe zu beleuchten.
Also: es gibt über die ganze Erdzeit Schwankungen im Klima. Damit sind natürlich nicht Wetterlagen gemeint, wie der Präsident der Vereinigten Staaten so putzig bemerkte: " Where is that global warming, it's freezin here. Bring me some of that global warming." Alter Scherzkeks.
Der wichtigste Einflussfaktor ist die Sonne: Ihre Strahlungs-Schwankungen beruhen auf mehr oder minder regelmäßigen Veränderungen des solaren Magnetfelds und daraus resultierenden Sonnenflecken, da gibt es diverse Zyklen, die einander überlagern. Kühlere Klimaabschnitte und ebenso Wärmeperioden wie die Mittelalterliche Klimaanomalie traten regional und zeitlich uneinheitlich verteilt, selten global und lediglich für wenige Jahrzehnte auf.
Betrachtet man den CO₂-Gehalt der Luft in der Athmosphäre der letzten 70 Millionen Jahre, fällt auf, dass er lange Zeit viel höher war als jetzt, erst in den letzten 10 Mio Jahren hat er sich unter dem derzeitigen Stand bewegt. Auffällig ist natürlich der derzeitig rasante Anstieg. Seit letztem Jahrhundert tritt der Mensch durch seine Aktivität so massiv auf, dass sein Verhalten tatsächlich Einfluss auf das weltweite Klima hat. Man bezeichnet das angebrochene Zeitalter als Anthropozän. Das Erdzeitalter, das vom Menschen geprägt wird. Das geht natürlich über das Klima hinaus: Klar gibt es z.B. noch Bauwerke, wie die Pyramiden, die ein paar tausen Jahre überdauert haben, aber wie lange wird es wohl dauern, bis all die Autobahnen und Stahlbetonwolkenkratzer nur noch als vereinzeltes Relikt wahrgenommen werden? Was werden Menschen in 5000 Jahren denken, wenn sie auf eine Müllkippe stoßen und den Inhalt analysieren? Wird es dann noch Gelehrte geben, die der lateinischen oder chinesischen Schrift mächtig sind und arabische Zahlen lesen können? Alleine schon die Änderungen in der Archivierung des Wissens hat ja in dem letzten Jahrhundert mehr als einen Quantensprung erlebt. Von der Stein- zur Tontafel dauerte es vielleicht zweitausent Jahre, bis zum Papyrus tausend und dann wieder tausend zum Papier und wieder tausend zum Druck, doch dann nur noch 500 zur Schreibmaschine, von da 100 zum Computer und von da 50 zum Internet. Jetzt sind wir so weit, dass wir Maschinen bauen, die Maschinen bauen, die Maschinen bauen und das bringen sie sich selbst bei. Das Wissen verdoppelt sich alle 2 1/2 Jahre. Und bald übernimmt die künstliche Intelligenz die Vermehrung von Wissen. Vielleicht brauchen wir ja bald nicht mehr zu arbeiten, vielleicht nicht mal mehr zu denken. Ich werde versuchen den nächsten Kundenbrief von einer Maschine schreiben zu lassen, sein Sie gespannt... So lange sende ich noch analoge Grüße aus einem sonnendurchfluteten Frühlingsbüro...
Herzliche Grüße
Henning Jahn