Liebe Kunden,
hatte ich schon mal erwähnt, wie ungerne ich Lieferwagen fahre?

Ich bringe zwar in der Erntezeit die Äpfel des Hofes zur Kelterei und hole die abgefüllten Säfte von dort wieder ab, aber in der Innenstadt oder durch enge zugeparkte Wohngebiete würde ich ungerne navigieren. Da traf es mich vergangenen Donnerstag fast wie ein Schock, dass mich eine Krankmeldung erreichte und kein Ersatzfahrer zur Verfügung stand. Zusätzlich hatte ich einen Bewerber als Fahrer eingeladen, der mit dem spontan erkrankten mitfahren sollte. Also musste ich seit gut 4 Jahren, die ich nun hier tätig bin, das erste Mal selbst ran. Aber was macht da ein Chef- richtig aus der Not eine Tugend und lässt gleich alles den Bewerber machen- der soll mal zeigen, was er kann.
Die Donnerstag-Nachmittag-Tour führt über die Dörfer Richtung Ratzeburg und kehrt in einer Schleife fast am Hof vorbei noch im Süden von Lübeck ein. Vor allem für den ersten Teil bedeutet das wenige Kunden auf viele Kilometer. Das sollte selbst für uns Anfänger machbar sein, zumal ich eben diese Tour schon vor einem halben Jahr mal interessehalber mitgefahren war. Wenn aber ein Profi dabei ist, fühlt es sich anders an, als wenn man selbst der Profi sein soll, aber bisher fast nur theoretisch weiß wie alles funktioniert. Zusätzlich bin ich ja auch kein ausgebildeter Personaler, der Bewerbungssituationen jeden Tag abhandelt.
Es war ein sonniger Tag, meine Jacke hatte ich umsonst mitgenommen. Der junge Mann chauffierte Ihre Ware und mich ebenso sicher durch die Gegend, wie ich es von den Pro's kenne. Welche Artikel noch nachzupacken waren und welche Kiste zu welchem Kunden kommt, hatte natürlich ich zu verantworten, umso peinlicher, dass ich aufgrund der Ähnlichkeit zweier Kistennummern diese vertauscht ausgeliefert habe. Fataler noch, dass genau dasselbe schon vor ein paar Monaten passiert war- bei genau den selben Kunden. Außerdem glaubte ich einen Joghurt verloren, ich dachte, ich hätte ihn schon fehlerhaft zu viel abgegeben, doch fand er sich nach der Tour am Ende in einer versteckten Kiste wieder.
An dieser Stelle nochmals Entschuldigung für diese "Anfängerfehler", ich hoffe Sie vergeben mir und Danke für das selbstständige, gar nicht selbstverständliche Tauschen der Kisten, Sie kriegen eine Belohnung.
Schon durch den tollen Einsatz des Bewerbers und die Bereitschaft das durchzuziehen, aber auch durch sein handwerkliches Geschick und die Bereitschaft alles zu machen, muss ich ihn ja eigentlich nehmen. Wäre da nicht auch noch diese überaus sympathische, LKW-erfahrene Bewerberin, die mit Gerhard, den Sie warscheinlich alle als DEN Vertretungsfahrer kennen, durch eine lange Nachbarschaft befreundet ist. Ohne der Sache vorgreifen zu wollen, die Wahl fällt mir schwer, wenn die beiden Lust haben, den Job anzutreten. Was bin ich doch für ein Glückspilz immerwieder so leicht zu Mitarbeitern zu kommen. Wenn ich sehe, wie meine Kollegen auf dem Gut zum Teil zu kämpfen haben, bis der richtige auf der Matte steht und wie intensiv dieser dann von den Verantwortlichen selbst eingearbeitet wird... Chapeau meinen Mitstreitern. Zum Glück arbeiten meine langaährigen Mitarbeiter neue Kollegen toll ein, so kann ich mich ganz aufs Chef sein konzentrieren und vertausche nicht noch mehr Kisten. Danke an mein Team
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn