Liebe Kunden,
jetzt sind die Eisheiligen rum, die Badehose kann vom Dachboden geholt werden.

Und rein in den Badesee Beidendorf. Huhuhuiii, 12°C ist gar nicht so warm. Das waren noch Zeiten, als der Sommer schon im April anfing. Süddeutschland hat auch was für sich. Andererseits kann man es jetzt noch ganz gut im unklimaisierten Büro aushalten, was in meiner alten Heimat schon weniger selbstverständlich der Fall gewesen wäre. Aber naja, es geht hier auch nicht um die Sonne Arizonas, der Kalahari oder Sahelzone sondern um unser gemäßigtes mildes Mitteleuropa. Was sind wir doch vom Glück begünstigt. Mal warm, mal kalt, für jeden was dabei, meistens genug Wasser, selten zuviel, eine Ruhepause zwischendrin, fruchtbare Böden, Bodenschätze... Das ist das Paradies, oder? Kann es sein, dass ich schon mal davon sprach? War es in einem Jahresbrief vor zwei Jahren? Da bezogen sich die für mein Empfinden paradiesischen Zustände eher auf den Hof, als auf ganz Deutschland. Was bin ich doch für ein Blumenkind! Hatte ich mich noch im letzten Jahresbrief der Generation X oder Golf, oder sogar den Punks zugeordnet (macht kaputt, was Euch kaputt macht) säusel ich jetzt einen von wegen das tolle Deutschland. Wie kann das denn zusammenpassen? Die Antwort ist doch ganz einfach: das eine ist Mutter Erde, das andere ist die Gesellschaft. ...Aus dem Weg Kapitalisten... sang ich voller Inbrunst, jetzt bin ich Unternehmer, habe einige Mitarbeiter und kaufe und verkaufe Ware um Geld zu verdienen. Zwei Herzen schlagen in meiner Brust: wie gerne würde ich einfach vor mich hinwurschteln ohne mich um das Aussen zu kümmern, wie gerne wäre ich aber auch reich (ja, ich meine Geld- den anderen Reichtum habe ich ja). Ich will die Umwelt schonen, will aber auch richtig Gas geben. Mir macht es Spaß mit Ihnen als Kunden zu sprechen, würde aber viel lieber mit Ihnen reden ohne was dabei zu verkaufen. Wenn wir das aber tun, fühlt es sich auch komisch an. Mit vielen würde ich gar nicht in Kontakt kommen, wenn wir nicht das Verhältnis über meine Funktion als Händler hätten. Jetzt habe ich schon einen halben Kundenbrief mit gesellschaftlichen Themen gefüllt und der ungeduldige Leser wartet sicher drauf, dass ich endlich mal zum Punkt Hof komme. Es ist auch Ihr wohlverdientes Recht ein paar Informationen über das Wetter und meine werte Befindlichkeit hinaus zu erfahren. Also gut, dann will ich Sie mal nicht länger auf die Folter spannen: Wie Sie sicher wissen, sind wir Mitglied bei Demonstrationsbetriebe, was es ermöglicht, dass Gruppen Interessierter auf dem Hof kostenlos Führungen bekommen, weil wir unsere Unkosten über den Träger abrechnen können. Was Sie aber vielleicht nicht wissen ist, dass wir auch im Programm Bauer macht Schule sind, wo wir speziell für ältere Schulklassen (ab 5. Klasse) für eine kleine Unkostenbeteiligung tiefere Einblicke in das Hofgeschehen und ökologische Hintergründe geben. Eine weitere Gruppe in die wir unsere Fühler ausstrecken, ist die Slow-food-Bewegung, die von ihren Idealen her sehr gut zu unseren passt. Daher liegen die beiden Flyer diese Woche mit in der Kiste. Genießen Sie unsere langsam gewachsenen und verarbeiteten Produkte mit der Geduld, mit der wir sie erzeugt haben und lassen Sie sich auf unseren thematischen Führungen "vom Korn zum Brot" am 6.7. und "Gemüseführung" am 10.8. noch tiefer in unsere Welt der Langsamkeit entführen. Und keine Angst- da werde nicht ich säuseln, sondern die echten Handwerker klare Ansagen machen.
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn