Liebe Kunden,
habe ich letzte Woche über die verkommenen Schüler lamentiert?

Nein?- vielleicht ein bisschen? Ja, doch, schon ziemlich? Stimmt, auch wenn ich an dem einen oder anderen ein gutes Haar gelassen habe- im Großen und Ganzen sind sie nicht so gut weggekommen. Das will ich jetzt nochmal gerade rücken! Mir macht es richtig Spass Klassen über den Hof zu führen, sie Tiere spüren zu lassen, den Rätseln der Natur auf den Grund zu gehen... Diese Woche waren zwei Grundschulklassen zu Besuch und ich hatte wieder die Ehre... Es war eine kleine Dorfschule unweit unseres Hofes. Und die Kinder kannten mehr Gemüsesorten als die Fünftklässler der Stadtschule der vorangegangenen Woche. Nicht dass ich das bewerte, es ist nur erstaunlich, wie der Faktor Dorf-Stadt sich schon so früh bemerkbar macht. Tatsächlich war sogar ein Junge dabei, dessen Eltern einen Milchviehbetrieb haben. Der kannte natürlich sehr viel aus dem echten Leben. Es war wirklich eine tolle Truppe. Die Kinder waren voller Enthusiasmus und fragten mir Löcher in den Bauch, fast jeder wollte mal ein Huhn auf dem Arm halten, besonders gut hat ihnen gefallen, zu beobachten, wie Kühe ihre Notdurft verrichten (Sie können sich schon vorstellen wie da gejohlt wurde). Wirklich spannend wurde es, als die Frage aufkam, wie das Kälbchen in die Kuh kommt. Ich war etwa 2 Sekunden etwas überfordert und stammelte rum. Die Mütter und die Lehrerin wirkten auch nicht so als wollten sie mir sofort zuhilfe eilen, "dann muss ich da jetzt durch" und so sind die Erstklässler der Gundschule aus der Nachbarschaft jetzt auch aufgeklärt. Das gefiel dem einen oder anderen so gut, dass ich das gleich nochmal erklären musste. Wenn Ihr Kind dabei war, wundern Sie sich nicht, wenn es jetzt weiß, wie das funktioniert mit dem Bullen und der Kuh.
Am folgenden Tag waren die Zweitklässler da- genauso zuckersüß, noch mehr Fragen, tatsächlich habe ich mit denen weniger Programm geschafft, ich glaube es war aber trotzdem mit ausreichend Information gespickt. Klares Highlight ist immer, wenn man Tiere anfassen kann. Unsere Schafe sind etwas scheu, aber mit Lindenzweigen kriegt man sie gut angelockt, doch wollen sie dann knabbern und nicht unbedingt gestreichelt werden. Etwas besser funktioniert das bei den Hühnern. Die kommen auch ohne, dass man sie füttert. Natürlich wirkt es auch für ein Huhn etwas bedrohlich, wenn man es hochnimmt, aber es gibt unter ihnen deutlich gelassenere, die nicht versuchen zu entkommen. Am einfachsten ist es, wenn man eine Kuh gefunden hat, die selbstbewusst und entspannt ist. Wenn sie liegen bleibt, hat man gewonnen. Die Kinder wollen sich dann immer am liebsten auf die Kuh setzen, was ich nicht erlaube. Da könnte sich dann doch jemand verletzen. Ein Schwank aus meinem früheren Leben: Auf einem Hof, wo ich früher gearbeitet habe gab es eine einzige Schwarzbunte Kuh - alle anderen waren schokobraune Angler. Die Schwarzbunte Agathe war der Liebling vieler Besucher, aber vor allem konnte man sie reiten. Anders als bei Pferden sitzt man da auf dem Becken. Agathe gab immer mächtig Gas, wenn ich drauf saß und so konnte ich die sonst langsamste Kuh bequem (haha) zum Stall reiten.
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn