Liebe Kunden,
und weiter geht die lustige Kinderschau.

Der Schafscherer war da. Die 4 Scottish Blackface Damen haben eine neue Frisur verpasst bekommen. Nicht gerade damenhaft sehen sie jetzt aus, aber sommerlich praktisch ist ja auch ganz gut. Der Scherer nahm sich alle Zeit der Welt um die Schafe ihrer Wolle zu entledigen. Dabei hatte er eine Schar Zuschauer, die ihre Augen nicht von dem Spektakel abwenden konnten: Der Kindergarten war informiert und mit der gesammelten Mannschaft aufgetaucht. Ich glaube, dass einige der Kinder- z.B. meine eigenen- gar nicht wahrgenommen haben, dass ich auch dazugestoßen bin.
Man denkt ja vielleicht, dass nach der Schur von den Schafen fast nichts übrig ist. So richtig dünn sehen sie jetzt aber auch nicht aus, eher gemütlich. Wer bei der Schur dabei war, weiß wie gemütlich sie es haben und vielleicht auch daher sind. Da wurde nicht gezappelt, wie man es aus schrecklichen Videos von Profischuren in Australien kennt. Bei uns wurde kein Tröpfchen Blut vergossen. Die Schafe kennen ja das Scheren schon und entspannten total. Auf den Hintern gesetzt schauten sie fröhlich in die Gegend und genossen es, das 20cm dicke Flies abgenommen zu bekommen. Ich weiß, man darf nicht alles nach menschlichen Maßstäben messen... Aber jetzt stellen Sie sich mal vor einen 20cm dicken Fliesmantel zu tragen- bei den Temperaturen! Gar nicht so verwunderlich, dass die Schafe sich nicht gewehrt haben, oder? Die Lämmer standen dabei und schauten belämmert. Sie dürfen ihre Wolle draufbehalten und das ist auch gut so, denn jetzt haben wir ja bekanntlich die Schafskälte. Sie ist ein Wetterphänomen, was etwa so regelmäßig auftritt wie die Eisheiligen. Es wird durch den Unterschied zwischen der Land- und der Meereserwärmung verursacht. Dabei wird kalte Luft von Nordwest durch ein Tiefdruckgebiet über Europa angesaugt. Man nennt die Schafskälte auch „europäischer Sommermonsun“, denn oft regnet es in dieser Zeit auch ergiebig.
Wenn Sie vielleicht schon genug haben nach den Schauern der letzten Wochen, kann ich nur dagegenhalten, dass der Boden immernoch nicht den Rückstand aus dem letzten Jahr und diesem Frühling aufgeholt hat. Es ist ziemlich trocken unter der obersten Schicht. Daher nicht böse sein- wir haben noch mehr Wasser bestellt. Und laut Lieferschein kommt das auch. Der hundertjähige Kalender, von dem einige von Ihnen vielleicht schon gehört haben, schildert sehr detailliert, was an welchen Tagen des Jahres passiert und ist da überaus präzise in den Angaben. Allerdings stimmen sie nicht immer. Seine Entstehung verdankt er langjährigen Beobachtungen des Mönchs Mauritius Knauer. Er hat Wetterphänomene mit Sternenkonstellationen abgeglichen und daraus Regeln für einen, sich alle 7 Jahre wiederholenden Ablauf der Wetterereignisse, abgeleitet. Insofern ist 100-jähig irreführend, er gilt ewig. Diese Woche soll es z.B. regnen, nur am Sonntag soll es schön werden. Stimmt's? Was auch immer das Merkurjahr 2019 noch bringen wird, aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet ist der Kalender nicht haltbar. Vielleicht gilt er sowieso nur für Österreich und Bayern, wo Mauritius Knauer wirkte? Und vielleicht gelten da sowieso andere Gesetze...
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn