Liebe Kunden,
kennen Sie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung?

Sie beschäftigt sich natürlich mit Land­wirt­schaft und Er­näh­rung aber auch Markt­or­ga­ni­sa­ti­on, länd­li­che Ent­wick­lung, Wald und Holz, Fi­sche­rei, Kli­ma, Ener­gie und nach­hal­ti­ger Kon­sum stehen bei ihr auf der Agenda. Wichtige Einsätze gab es bei der BSE-Krise, bei der Ethablierung der Umsetzung des Bundesprogramms Ökologischer Landbau, immer wieder werden Quotenrgulierungen von ihr geändert, Forschung und Praxis durch sie verknüpft und Förderprojekte ins Leben gerufen. Davon profitieren auch wir: Da wir Mitglied im Netzwerk Demonstrationsbetriebe sind, können wir hierüber, einige der Führungen, die hier stattfinden, von der BLE bezahlen lassen.
Neulich klingelte mein Handy und eine Bonner Nummer war angezeigt; arglos ging ich ran, und rechnete mit jemand, der mir waaahnsinnig günstige Versicherungen verkaufen will. Nein, es war mein Bekannter Carsten W., der von seinem Hochsicherheitstelefon in Hamburg anrief- Hä, wie jetzt, was? Hamburg- Bonn- Bekannter- BLE? Was labersch Du? Nochmal langsam: mein Bekannter, der gelernte Müller, arbeitet beim BLE in Hamburg, was aber zentral über Bonn verwaltet wird. Und Hochsicherheit?- ja, tatsächlich ist die zentralisierte Telefonanlage über Bonn gesteuert und so sicher wie es irgend geht, zumindest sicherer als das Handy der Kanzlerin, was ja nicht unbedingt was heißen muss. Hier geht es z.B. auch um Ernährungssicherheit: im Krisenfall ist die BLE dafür verantwortlich, dass wir alle noch was zwischen die Zähne bekommen. Also betreiben sie riesige, teure Hallen, in denen tausende von Tonnen Getreide gelagert werden um im Ernstfall mobilisierbar zu sein. Das würde dann zwei Wochen für alle Deutschen reichen.
"Aber was war denn nun Carstens Anliegen?" wird sich der aufmerksame Leser wohl fragen. Hätte er nicht zum Schnacken einfach von seinem Handy aus anrufen können? Tatsächlich wollte er schnacken, aber es ging ihm nicht um Spiel und Spass, sondern um die reine Arbeit. Er wollte unseren Hof mit seinem Team besuchen. Zum Einen sollte das ganze einen unterhaltsamen Charakter haben, da es sich um einen Betriebsauflug handelte, zum Anderen ging es um ein Produkt, was zwar auf dem Vormarsch ist, aber hier im Norden noch nicht so verbreitet angebaut wird, nämlich um Hanf. "Ach ja, die Ökos," werden Sie vielleicht denken und stellen sich vor wie wir mit den Leuten von der Bundesanstalt in dichtem Nebel im Feld sitzen und vor uns hin kichern... Weit gefehlt- sogar im Gegenteil: Die BLE ist dafür zuständig zu kontrollieren, dass der angebaute Hanf wirkstoffarm ist. Das bedeutet, dass sie zu Beginn der Blüte einen Probenzieher auf unseren Acker schicken und im Labor geprüft wird, ob der Hanf auch wirklich nicht zum Rauchen taugt. Aber darum ging es bei der Betriebsbesichtigung nur im Nebensatz. Vielmehr zeigten wir als Pinoniere auf, wie man mit einfachsten Mitteln auf kleinen Flächen es doch leisten kann, ökonomisch Hanfsaat zu produzieren. Durch Extensivierung, also Verzicht auf Ertrag, können wir das widerspenstige Kraut tatsächlich mit dem eigenen alten Mähdrescher ernten- die Profis haben dafür eigene Erntemaschinen, die eher einem Maishäcksler ähneln. Aber für unsere 0,5 ha lohnt es sich nicht, solch ein Gerät aus Niedersachsen hier her zu karren. Wir könnten keine Hanfkörner produzieren, wenn wir nicht so einen pfiffigen Ackerbauern hätten. Dieser übernahm dann auch nach der generellen Einführung meinerseits den Expertenpart und brachte dem BLE-Team nahe, wieso und wie der Kleinbauer so was möglich macht. Wir konnten auch mit unserer Strategie der vielfältigen Direktvermarktung zeigen, wie unumgänglich es als kleiner Produzent ist, seine Ware selbst zu vermarkten. In der Pause haben wir mit eigener Wurst, Brötchen, Käse und Saft die Vielfalt unseres Hofes nicht nur in die Köpfe sondern auch in die Mägen der Teilnehmer der Exkusion befördert.
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn