Liebe Kunden,

was täte ich ohne Carmen?

Sie hat Ihnen den verlorenen Kundenbrief nochmal schnell eingekläppert... Also viel Spass:
es sind Ferien, nicht viel los in der Stadt, oder? Kommen Sie raus zu uns. Hier steppt der Bär! Naja- auch hier ist jetzt nicht die Hölle los, aber wer will in die Hölle? Noch vor drei Wochen hätte ic hier darauf hinweisen können, dasss es heiß wie in der Hölle ist, davon ist jetzt aber nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil, abends oder wenn man mit dem Krad unterwegs ist, muss man sich dick einpacken. Als tropenerfahrener Süddeutscher können mir selbst die heißesten Tage hier nur ein müdes Lächeln abringen. Wer schon im Sommer in Großstädten wie Bangkok, Kaskat oder Dehli unterwegs war oder länger in der süddeutschen Rheinebene lebte, für den ist das norddeutsche Klima eher schattig. Ich finde es gut hier, muss keine 45°C haben, tue mich aber auch etwas schwer damit, echtes Mitgefühl aufzubringen, wenn es den Leuten bei hiesigen sommerlichen Temperaturen zu heiß ist. Jetzt grade wünschen sich manche von uns Wärme herbei, gell Jenni?! Was die Hitze für Auswirkungen auf unseren Betrieb hat, interessiert Sie vielleicht mehr, als meine Ausflüge in ferne Länder oder unterschiedliche Präferenzen von Temperaturen. Hohe Sonneneinstrahlung erhöht die Photosyntheserate in den Pflanzen. Hierbei wird vereinfacht ausgedrückt mit Hilfe von Chlorophyll (dem grünen Farbstoff in Pflanzen) Sonnenenergie mit Wasser und CO2 in Zucker umgewandelt. Das ist der einzige biologische Vorgang, bei dem Energie in chemischer Form gespeichert wird. Pflanzen sind also natürliche Solarzellen und Akkus. Nur durch sie können wir und auch alle anderen Tiere existieren. Wir alle nehmen Energie über unsere Nahrung auf und verbrauchen sie im Stoffwechsel durch Bewegung, Wachstum, Erhalt, Fortpflanzung usw. Wenn die Sonne also stärker scheint, wird mehr gewachsen. Wenn die Hitze allerdings zu groß wird, verdunsten die Pflanzen mehr Wasser als nachkommen kann und dadurch wird der Prozess gehemmt. Es ist also gut wenn es hell ist, es muss aber auch genug Wasser vorhanden sein und es sollte nicht zu heiß sein. Natürlich haben tropische Pflanzen ein anderes Optimum als sibirische. Die meisten Kulturpflanzen aber, die wir hier anbauen, kommen ja aus wärmeren Gebieten, können also mit dem Sommer gut umgehen, vor allem, wenn sie genug bewässert werden.
Den Tieren hingegen sind extrem hohe Temperaturen nicht so angenehm. Rinder z. B. fühlen sich bei 16°C am wohlsten. Wird es wärmer, schwitzen sie und brauchen Energie zur Kühlung des Organismus. Da ist es schön, dass wir genug Knicks und Bäume auf unseren Weiden haben, wo sie Schatten finden. Konventionelle Betriebe, die ihre Kühe das ganze Jahr im Stall lassen, bauen Duschen und Ventilatoren ein, dass sich die Tiere etwas abkühlen können. Hühner stammen zwar wahrscheinlich aus Südostasien, bevorzugen aber auch gemäßigtere Temperaturen und kommen trotz der nackten Beine sogar mit Frost gut klar. Bei ihnen macht aber eine Abkühlung erst ab 28°C Sinn. Das Sandbad, von dem man meinen könnte, dass es der Abkühlung dient, hat nichts mit Temperaturregulierung zu tun. Hier bekämpft das Federvieh Parasiten wie Milben und Federlinge. Schweine (die wir derzeit ja leider nicht halten) hingegen nutzen Suhlen auch um sich abzukühlen. Sie können auch leicht Sonnenbrand bekommen. Die Schafe freuen sich, dass die Wolle runter ist und auch über Schatten und genug zu trinken. Wenn es ihnen nicht gut geht, leiden sie still, deshalb muss man bei Schafen ein besonders gutes Auge auf ihr Wohlergehen haben.
Last but not least die Menschen: anders als Schafe leider hier die wenigsten still. Kaum eine Spezies versteht es so zu klagen wie wir. Aber was sind denn außer der empfundenen Temperatur die optimalen für unseren Organismus? Am wenigsten Energie muss der Körper aufwenden, wenn die Temperatur zwischen 20 und 27°C liegt. Trotzdem fängt der eine bei 25°C an zu schwitzen, dem anderen ist es da noch kühl. Zurück zum Hof:
Am Ende war unser Freilichtkino am vergangenen Samstag zwar kühl und etwas feucht, trotzdem hat es sich gelohnt. Auch wenn nicht so viele von Ihnen da waren, geben wir die Hoffnung nicht auf, dass Sie nächstes Jahr mit Regenjacke oder eisgekühltem Getränk und eisernem Willen mit uns dem Wetter trotzen und (wieder oder endlich) eine herrliche Stummfilmnacht erleben.
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn