Liebe Kunden,


Das Getreide wurde zum großen Teil letzte Woche schon geerntet. Der Dinkelertrag war nach einem bombastischen letzten Jahr leider weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Sie haben das ja bereits bei unseren Brotrezepturen gemerkt. Da unsere Bäckerin Verena ja die Frau vom Ackerbauern Philipp ist, konnte hier auf direktem Weg schon früh besprochen werden, wie wir mit dem schwachen Dinkel dieses Jahr umgehen. Philipp ist da noch auf der Ursachenforschung und hat bisher zum einen den Verdacht, dass die vom letzten Jahr in dieses mitgebrachte Trockenheit maßgeblich dafür verantwortlich ist, zum anderen haben wir ja vorletztes Jahr auf eine schonende Bodenbearbeitung umgestellt, was in den ersten Jahren bekanntermaßen den Unkrautdruck erhöht: Schälpflug statt Pflug- dabei wird mit höherer Arbeitsbreite, da nicht so viel Kraft gebraucht wird, der Boden nur flach gewendet, also etwa 10-15 statt 30-40cm. Dadurch werden Unkräuter nicht so tief vergraben und keimen schneller, bzw. verrotten sie nicht in der Tiefe. Daher wird der Schälpflug von einigen Landwirten auch sehr kritisch betrachtet. Erstmal geht der Ertrag runter. Das ist etwas, was man ja nicht möchte. Wenn man aber dran bleibt, passiert (hoffentlich) und pendelt sich ein neues Gleichgewicht im Boden ein und der Ertrag geht wieder hoch. Man muß nur etwas Geduld haben. Aber hätten wir nicht einfach weiterhin tief pflügen können? Klar hätten wir, aber erstens ist das energieaufwändiger und zweitens verursacht man damit im Boden ein extremes Durcheinander: in jedem cm Bodenschicht befinden sich ganz andere Mikroorganismen, die genau an diese Bodenschicht angepasst sind. Kommen sie woanders hin, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr letztes Stündlein geschlagen. Sie vertrocknen, ertrinken, werden von anderen Mikroorganismen verspeist, ein regelrechtes Massensterben. Ein paar schaffen es dahin, wo sie sich wohlfühlen und bauen dort neue Populationen auf, aber viele eben nicht und genau diese sind es, deren sterbliche Überreste zerfallen. So habe ich in einer wissenschaftlichen Arbeit einst untersucht, wieviel klimarelevante Gase wie Lachgas, Methan usw. bei unterschiedlicher Düngung und Bearbeitung ausgasen und ich kann nur sagen: am besten Finger weg. Natürlich werden auch Nährstoffe ausgewaschen, sobald sie nicht mehr in lebenden Organismen gebunden sind. Durch das flache Wenden bleiben also mehr Närstoffe und Humus im Boden und wir können auch für kommende Generationen die Bodenfruchtbarkeit erhalten oder sogar verbessern. Da lohnt es sich auch mal auf ain paar Tonnen Dinkel zu verzichten, auch wenn es erstmal weh tut.
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn