Liebe Kunden,
Sie werden es nicht glauben

: doch noch ein Kundenbrief, obwohl ich im Urlaub bin. Wie ist das möglich? Ich betätige mich als Wahrsager und schreibe jetzt schon, eine Woche bevor ich weg bin, was in zwei Wochen gewesen sein wird. Also: aufgrund des wechselhaften Wetters war es für Ackerbauer Philipp schwieriger, den richtigen Erntezeitpunkt für Hafer und Gerste zu finden, als für Weizen und Dinkel, bei welchen es ja perfekt geklappt hat. Auch das Stroh war etwas feuchter, ist aber ja vor allem bei der kurzhalmigen Gerste weniger interessant, sodass wir es lieber gleich gehäckselt auf dem Feld gelassen haben.
Im Freiland wächst das Gemüse wie verrückt. Nachdem wir die zwei Wochen, in denen die Sonne so gebrannt hat, jede Nacht die Bewässerung laufen lassen mussten, stand sie jetzt die meiste Zeit still. Leider freute sich auch das Unkraut über die reiche Wasserversorgung und die Gärtner kamen kaum zum Hacken, da dafür das Feld einigermaßen trocken sein sollte.
Obstbauer Henning ist ja in Urlaub, somit versäumte er 1 bis 2 Handvoll Mirabellen zu ernten, was zwar etwas schade ist, aber auch den Kohl nicht fett gemacht hätte. Wahrscheinlich wären es nur so wenige geworden, dass sie es nicht mal geschafft hätten, über den Lieferservice verkauft zu werden. Bei den Äpfeln sind die frühen Sorten, vor allem der August- oder Klarapfel, ausgefallen. Das ist besonders tragisch, da er der Hauptbefruchter unserer Hauptertragssorten (Boskoop und Coulons Renette) für den Saft ist; das wird also wenig dieses Jahr. Die Williamsbirne hingegen freut sich schon darauf, kommende Woche in Ihre Körbe zu wandern. Dieser eine schon etwas in die Jahre gekommene Baum hängt mal wieder zum Brechen voll und die Hornissen und Wespen lecken sich auch schon die äh Beißwerkzeuge, bzw. haben sich schon hie und da eine gemütliche Höhle gefressen, was die Ernte immer wieder zu einem Erlebnis mit Nervenkitzel macht.
Die Pause in der Backstube letzte Woche hat Bäckerin Verena sehr gut getan und sie kam sichtlich entspannt von dem Besuch Ihrer Eltern zurück, um sich jetzt wieder voller Elan ins Zeug zu legen.
Obwohl der Boden immer noch nicht wieder in allen Schichten das Wasserdefizit vom letzten Jahr ausgeglichen hat, wächst das Gras auf den Weiden so gut, dass die Kühe sich aussuchen können, welche Hälmchen sie fressen...
Na- hab ich getroffen? Das müssten wahrscheinlich die angesprochenen Personen beurteilen, aber wenn das Wetter so war wie in der Vorhersage: Regen, Regen, wolkig ... dann könnte das meiste etwa zutreffen. Wenn die Sonne schien, war alles anders und Sie müssen den ganzen Text nochmal lesen, aber bei dem einen oder anderen Satz ergänzen: Wenn es geregnet hätte, wäre es so gewesen, aber weil die Sonne schien, ist genau das Gegenteil der Fall. Somit habe ich hier einen interaktiven Hirnwandlertext geschrieben. Obwohl Sie alles schwarz auf weiß haben, ist es doch nur eine Illusion und flüchtig wie Schall und Rauch. Nichts ist wie es scheint in diesem fiktiven Tatsachenroman, den wir Leben nennen...
Für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn