Liebe Kunden
heute will ich ihnen etwas von den für die meisten unsichtbaren Bewohner unseres Hofes berichten.

Unsichtbar deshalb, weil sie einen grossen Teil des Jahres gar nicht zu sehen sind und ansonsten nicht gerade den Lebensrhythmus des Menschen teilen. Mich als Stallbauern kann man ja durchaus als dämmerungsaktiv bezeichnen und so begegne ich den letzten, noch hungrigen dieser Tierchen, kurz bevor sie schlafen gehen, beim morgendlichen Spaziergang mit den Kühen zum Melken in den Stall. Dann sind sie wie verschollen und verlassen erst bei Einbruch der Dunkelheit gegen halb zehn ihre Schlafstätten wieder: die Fledermäuse. Mehr als dass welche da sind, kann der Laie meist nicht feststellen. Außer der Größe lässt sich im Dunkel eigentlich nichts unterscheiden, zumal sie ja für unsere Ohren auch stumm sind.
Zum Glück gibt es Spezialisten, sonst wäre mein Beitrag hier schon zu Ende. Eine solche Spezialistin ist meine Schwägerin Franziska, deren derzeitige Aufgabe nach dem Abschluss ihres Biologiestudiums das Kartieren von Fledermauspopulationen in Franken ist. Dazu nutzt sie einen Rekorder der die Ultraschallwellen aufnimmt, die von den Fledermäusen gerufen werden. Mit Hilfe des Echos dieser Rufe orientieren sie sich und lokalisieren fliegende Insekten, die sie jagen und fressen. Der „Bat-Logger“, wie dieses technische Wunderwerk heißt, erlaubt die Unterscheidung der Rufe nach verschiedenen Frequenzbereichen und Melodien sowie die Messung von Richtung und Entfernung. Aus diesen Parametern lässt sich dann die Art sehr genau bestimmen.
Anfang August war Franziska zu Besuch und hat spaßeshalber eine nächtliche Fledermaustour vom Hofplatz zum Teich und dann zum Windrad gemacht. Für uns war es sofort sehr spannend und interessant, die für das menschliche Ohr aufbereiteten Rufe zu hören und unterscheiden zu lernen. Spätestens am Teich war dann auch die Spezialistin beeindruckt vor allem von der großen Zahl der Tiere. Die Auswertung der eineinhalbstündigen Aufzeichnung am nächsten Tag ergab eine für sie neuen Rekord von 117 klaren Aufnahmen von 9 der in Deutschland vorkommenden 25 Arten. Alle dieser Arten sind zwar keine besonders seltenen, jedoch war bemerkenswert, dass alle Nischen auch mit der für sie typischen Art besetzt waren. Die große Anzahl zeigt natürlich auch, dass sowohl eine Vielzahl an Verstecken, vor allen alte, hohle oder gerissene Bäume und zugängliche Gebäudeteile, wie auch reichlich Nahrung in Form von Insekten bei uns zu finden ist.
Besonders in Erinnerung werden mir zwei Fledermäuse bleiben. Zum einen die Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus), die sich ausschließlich entlang von Alleen, Knicks oder anderen monotonen, geraden Strukturen wohlfühlt, wobei sie, etwas skurril, die ganze Nacht immer daran hin und herfliegt, und zum anderen die Fransenfledermaus (Myotis nattereri), die sich mit den Rauchschwalben den Kuhstall als bevorzugtes Habitat teilt.
Ich selbst bin immer wieder verblüfft was auf unserem kleinen Hof noch alles zu entdecken ist, wenn der Zufall mal wieder ein Türchen öffnet, und deshalb tags und nachts neugierig unterwegs
ihr Stallbauer Martin Dörschug