Liebe Kunden,
letzte Woche kamen einige von Ihnen in den Genuß, Äpfel vom Hof in ihrer Kiste zu finden.

Goldparmäne und der leider sehr druckempfindliche Dülmener Rosenapfel. Ich hoffe v.a. letzterer kam ohne größere Blessuren bei Ihnen an. Ansonsten melden Sie sich doch bitte. Ich weiß, wie ungern man liest, wenn etwas nicht klappt, daher fällt es mir schwer über die Apfelernte dieses Jahr zu berichten. Wie Sie vielleicht verfolgt haben, gab es eine heikle Situation in der Blüte: Es war im März/ April schon recht warm, was die Apfelbäume als Signal nahmen loszublühen. Zum Hoffest Anfang Mai jedoch wurde es wieder kalt, vielleicht erinnern Sie sich. Die Bäume standen in Blüte doch kein Brummen war in der Luft. Den Insekten war es zu kalt zum ausfliegen und damit auch zum Befruchten der Apfelblüten und warscheinlich schlug hie und da sogar ein wenig Frost zu. Das blieb nicht ohne Folgen: die "drei großen", wie ich sie nenne, blieben dieses Jahr völlig leer. Auf den Hofweiden stehen die mächtigen Bäume mit jeweils 15-20m Kronendurchmesser. In den letzten 4 Jahren trugen diese zu einem großen Teil zum Saft bei, den wir keltern ließen. Es gibt sicher einige unter Ihnen, die den Boskoop lieben und als Bratapfel gibt es wohl kaum einen passenderen, da das feste saure Fruchtfleisch auch beim Mürbebacken nicht zerfällt aber trotzdem weich wird und das Zimtaroma der Füllung aufnimmt. Leider haben wir dieses Jahr keine- es könnte also eng werden mit Bratäpfeln und Saft. Immerhin- die erste Fuhre Apfelsaft (ohne Boskoop) ist gepresst und wieder für Sie verfügbar.
Wir sind nicht die einzigen, die mit den Äpfel ihre liebe Not haben. Auf Hof Medewege wird dieses Jahr auch mit einer schlechten Ernte gerechnet, was vor allem die beliebte Sorte Topaz betrifft, welches die Hauptsorte für diesen Haupterwerbs-Obstbaubetriebes ist. Nachdem es dort schon vorletztes Jahr eine bescheidene Ernte gab, bedroht die diesjährige den jungen (Teil-)Betrieb existenziell. Unser zweiter Obstbaupartner Scharmer, der uns u.a. mit der beliebten Sorte Elstar beliefert, hatte wohl in der Blüte nicht so kalte Temperaturen, dafür verhagelte ein Unwetter im Juli praktisch die gesamte Ernte. Die Früchte konnten die Verletzungen zwar verwachsen, man sieht sie aber und der Marktwert der Früchte ist verringert. Beide unterstützen wir und vermarkten auch das z.T. nicht so ansehnliche Obst zu den üblichen Preisen. Ich hoffe, wir entscheiden da in Ihrem Sinne und Ihr Empfinden für äußere Ästhetik und Schnäppchen gibt Raum für Misfits (nicht der Vermarktungsnorm entsprechende Früchte) und Fairness. Schließlich sind es die inneren Werte, die zählen und schmecken tun die Äpfel.
Dass wir nicht allein darauf angewiesen sind, dass wir eine gute Obsternte haben, erleichtert mir den Umgang mit dem Ausfall dieses Jahr. Mal wieder zeigt sich, dass die Vielseitigkeit unseres Hofes uns hilft, uns nicht nur vom Markt und der Ökonomie, sondern von Idealen und einer gemeinsamen und teilenden Mentalität führen zu lassen.
Es grüßt Sie herzlich für die Hofgemeinschaft
Henning Jahn