Liebe Kunden, endlich wieder eigener Apfelsaft obwohl die Ernte dieses Jahr knapp ist, pressten wir einige Fläschchen von dem flüssigen Gold. Sie finden darin rote Sternrenette, Antonowka und den "Rothenhausener Paradiesapfel"- tatsächlich konnte ihn bisher noch kein Pomologe bestimmen, also trägt er weiterhin den nicht zugelassenen internen Namen. Auch für unsere Sondersäfte reichte die Ernte dank des weißen Winterglockenapfels, von dem einige Bäume auf unseren Flächen stehen und der kanadischen Sorte Ontario. Interessant, dass die Winteräpfel dieses Jahr besser fruchteten, als die früh zu erntenden. Eine Ausnahme bildete natürlich der Lagerapfel Boskoop, der zeitgleich mit dem sehr frühen Klarapfel blüht - beide sind die perfekten Befruchtersorten füreinander. Die kalte Witterung in der Apfelblüte hat den beiden dieses Jahr so zugesetzt, dass sie nach einem tollen letzten Jahr praktisch gar nicht getragen haben. Das Phänomen der sogenannten Alternanz, also dem Wechsel der ertragreichen und ertragsarmen Jahre stellt den Obstbau schon lange vor die große Aufgabe, mit hohen und niedrigen Erträgen umzugehen, da zum einen die Verfügbarkeit in schlechten Jahren einen guten Preis verspricht, zum andern natürlich auch Löhne und Kredittilgungen gleich- und regelmäßig gezahlt werden wollen. Zum Glück sind wir auf Gut Rothenhausen nicht auf das Obst allein angewiesen, sonst müssten wir dieses Jahr den Gürtel enger schnallen. Ich muss gestehen, dass ich mich fast freue, dass dieses Jahr so wenig Obst an unseren Bäumen hing, da ich beim letzten Schnitt die Bäume relativ hart rangenommen habe, worauf sie mit vermehrtem Triebwachstum reagierten, sofern die gesamte Kontitution das zuließ, wodurch wenig Blüten an den Bäumen waren. Hierdurch möchte ich eine Verjüngung des Baumes und eine sukzessive Veränderung im Kronenaufbau bewirken. In der Permakultur gibt es Bestrebungen, den Baum natürlich wachsen zu lassen, wodurch er vermeintlich artgerechter gehalten wird, was aber in der Regel dazu führt, dass er kleinere Früchte ausbildet und eher buschig wächst, sodass absterbendes Totholz die Ernte erschwert. Ich bin hingegen eher der Ansicht, dass zu einem gesunden Baum ein gewisses Höhenwachstum gehört und dass durch Raum zwischen den Ästen die Gesundheit der Pflanze gefödert wird, z.B. können sich Pilze schwerer festsetzen. Auch der Fruchtgröße kommt das zugute. Man kann sich also besser im Baum bewegen, erntet schneller und optisch ansprechendere Früchte. Da moderne Sorten auf Leistung gezüchtet sind, wäre es auch nicht art- bzw. sortengerecht, sie vor sich hinkümmern zu lassen, sie würden vermutlich Krankheiten erliegen oder zumindest keine marktfähigen Früchte produzieren. Quitten hingegen wachsen nahezu immer als Busch und durch ihr hartes, widerstandfähiges Holz bekommen sie kaum Probleme mit Pilzkrankheiten. Durch die Trockenheit letztes Jahr aber wurden die vielen angesetzten Früchte (Spätblüher) nicht optimal versorgt, bildeten kleine Zellen und blieben anfangs also klein. Als dann doch der Regen kam, wurden die Früchte zum Explodieren gebracht - im wahrsten Sinne des Wortes: auf der Oberseite erlitten sie Risse, die an Bindegewebeschwäche erinnern, da tatsächlich Zellen durch hohen Wasserdruck platzten. Diese sind zwar verwachsen, sehen aber nicht so schön aus. Für die Verarbeitung zu Saft und Gelee sind solche Schönheitsfehler wohl zu verzeihen und auch im Obstkorb verströmen sie neben ihrem wunderbaren Duft einen rustikalen Charme. Wussten Sie, dass unser Wort Marmelade von dem griechischen Wort Melimelon = Honigapfel also Quitte kommt? Dann wissen Sie ja auch, wofür sie bestens geeignet ist ... Für die Hofgemeinschaft Henning Jahn