Liebe Kunden,
hinter uns liegt ein Jahr voller Hingabe.

Und damit spreche ich nicht nur von unserem Wirken auf Gut Rothenhausen. Natürlich haben auch wir unser Bestes gegeben, haben uns entwickelt, Pläne für die Zukunft geschmiedet und uns den Widrigkeiten und Wonnemomenten der Landwirtschaft und der Biobranche gestellt. Wir haben uns besonnen und zurückgeblickt. Doch möchte ich in diesem Brief jemand danken, der sich dieses Jahr so sehr hingegeben hat, dass ich vor Ehrfurcht erschaudere: es geht um Kinder. Damit meine ich nicht nur unsere eigenen, die uns und unseren Hof so sehr mit Leben füllen. Ganz besonders möchte ich den Kindern danken, die voller Mut und Tatendrang in Lübeck aber auch auf der ganzen Welt auf die Straße gehen und sich dafür einsetzen, dass die dringensten Probleme, mit denen sich die Erde gerade herumschlägt, in unser Bewusstsein gelangen. Natürlich kann man ihnen unterstellen, sie seien nicht authentisch, wenn sie sich von Mutti mit dem Auto auf die Demo bringen lassen und man kann ihnen vorhalten, dass es ein Privileg sei, in die Schule gehen zu dürfen, denn erst durch ihren Zugang zu Bildung hätten sie ja die Fähigkeit erlangt, so scharf zu hinterfragen. Also sei es falsch, die Schule zu bestreiken. Doch was ist es, das in uns alten Leuten den Widerstand gegen den Widerstand weckt? Was macht uns so wütend auf die jungen Menschen? Warum verurteilen wir Greta Thunbergs Verhalten? Wir reagieren empfindlich, wenn wir betroffen sind. Wenn uns das alles egal wäre, würden wir uns nicht drum kümmern. Wenn die jungen Menschen Unrecht hätten, müssten wir ihnen keine Beachtung schenken. Vielleicht wird das Leben des Menschen wirklich nicht schlechter, wenn der Eisbär ausgerottet ist, aber spätestens wenn der Golfstrom versiegt, geht hier das große Zähneklappern los. Es könnte schwierig werden, Lebensmittel zu produzieren, wenn Lübeck unter einem kilometerdicken Eispanzer liegt. Wir wollen gerne weitermachen und wir wollen so weitermachen, wie wir es bisher gemacht haben. Das erscheint zwar irgendwie legitim, es hat ja schon lange geklappt, aber vielleicht müssen wir irgendwann zugeben, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Dann ist es Zeit, die Komfortzone zu verlassen. Wir kennen kaum etwas anderes als diese, da nur noch wenige eine Erinnerung an Zeiten der Armut und materieller Not haben. Zwar sind auch in Deutschland über 15% der Bevölkerung von Armut gefährdet, fast eine halbe Million ist wohnungslos, etwa ein Zehntel davon findet auch bei Verwandten oder Freunden kein Dach über dem Kopf und immer mehr Kinder und Jugendliche erleiden dieses Schicksal. Da können die meisten von uns wirklich nur beschämt auf Probleme verweisen, von denen der eine oder andere sicher auch eins hat: vielleicht haben unsere Kinder schlechte Noten in der Schule, ein Verwandter hat eine unheilbare Krankheit, wir sind schon wieder erkältet und der Rücken tut uns weh. Aber ein Problem teilen wir alle und das ist ein globales: Mutter Erde brennt, wir sind alle mit Schuld daran und, wenn wir nicht sofort anfangen zu löschen, werden unsere Kinder und Kindeskinder möglicherweise kein besonders erfreuliches Leben vor sich haben. Kein Wunder, dass sie wütend sind und nach Veränderung rufen. Hören Sie hin, was uns die Kinder zu sagen haben. Ich wünsche uns allen, Ruhe und Besinnlichkeit zu finden, um den Blick nach innen zu richten und ehrlich zu uns zu sein: Lässt uns die Bequemlichkeit Entscheidungen treffen, bei denen wir uns auf Kosten anderer oder aller unser eigenes Leben verbessern? Kann ich etwas tun, um Leid zu verhindern und die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Ich bitte Sie: seien Sie mutig, gehen Sie diesen Schritt und ändern Sie etwas. Ein guter Vorsatz, der morgen über den Haufen geworfen wird, bringt uns alle nicht langfristig voran, aber kleine, stabile Schritte bewegen wirklich. Wir reichen Ihnen die Hand, um gemeinsam mit Ihnen in eine Zukunft zu gehen, die sich auch für unser aller Kinder lohnen soll.
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Für die Hofgemeinschaft Henning Jahn