Liebe Kundinnen, Freundinnen, Freunde und Kunden,
was gibt’s denn interessantes aus dem Ackerbau um diese Jahreszeit zu berichten?!

Das ist gar nicht so einfach, da draussen im Moment sichtbar gar nicht viel passiert. Das was passiert findet ohne unser Zutun
in der Erde im Verborgenen statt. Die liebe Büroarbeit, die jetzt verstärkt zum Zuge kommt, ist auch nicht so spannend, dass ein Bericht von ihr lohnt. Aber es gibt ja noch das Kartoffelsortieren, das Getreidereinigen, das Maschinen-Reparieren und den Lehrlingswechsel Ende Februar!
Wir haben hier auf dem Hof zweierlei Arten von Lehrlingen: die einen machen die staatliche Ausbildung mit Berufsschule und so weiter und beginnen im Sommer am 15. Juli. Die anderen machen die sogenannte „freie Ausbildung“, die vergleichbar mit der Waldorfschule im Schulwesen
ist. Der Beginn dieser Lehre ist am ersten März. Beiden gemeinsam ist, dass sie auf mehrere Jahre angelegt sind und ich persönlich es für die
Lehrlinge am sinnvollsten finde, wenn sie nach einem Jahr den Betrieb wechseln, um möglichst viele verschiedene Eindrücke der landwirtschaftlichen Praxis zu bekommen. Für die Betriebe ist es
natürlich immer bequemer, wenn die Leute eingearbeitet sind und als volle, eigenständige Arbeitskraft eingesetzt werden können. Aber darum geht’s ja in der Ausbildung nicht – das sind dann die folgenden Gesellenjahre. Da wir momentan Lehrlinge in beiden Ausbildungen haben, steht also demnächst ein Wechsel an: Johanna in der Landwirtschaft und Flemming im Garten verlassen uns zum Ende des Monats.
Johanna wird die Ausbildung auf einem anderen Hof mit dem letzten Lehrjahr abschließen und Flemming ist dann fertig ausgebildet und zieht als Gärtnergeselle in die weite Welt. 'Schade' denkt sich jetzt sicher so mancher. 'Stimmt' kann ich sagen, aber nur auf der einen Seite.
Denn andererseits lassen wir auch zwei Menschen ziehen, die wir ein Jahr begleiten durften und bei denen wir ein Jahr Entwicklung miterleben konnten und zwar in höchst positiven Maße. Jeder Mensch der hier zu uns kommt, nimmt sicher vieles mit von hier – aber jeder bringt auch
einiges mit und lässt etwas hier zurück. Denn auch wir entwickeln uns mit und an jedem neuen Menschen weiter und das bringt Schwung und überhaupt Bewegung in den Alltagstrott! Aber auch auf der ganz materiellen Ebene hinterlässt jeder etwas: Nach neun Jahren können wir da schon von so manchen Überraschungen berichten, die im härtesten Fall eine komplette Renovierung des bewohnten Zimmers inklusive Fußboden nach sich zog. Aber das sind Ausreißer. Meistens bleiben wirklich schöne und praktische Dinge – wie zum Beispiel Ordnungselemente in der Werkstatt oder von Johanna nun schöne neue Esstische für die Gemeinschaftsküche, an denen sie ganz nebenbei die Metallverarbeitung üben konnte! In diesem Sinne schon mal alles Gute auf eurem weiteren Weg ihr beiden!
Für die Hofgemeinschaft,
Philipp Hennig