Liebe Kunden,
um Orte (oder auch Menschen) besser kennenzulernen lohnt sich ja oftmals ein Blick auf deren Geschichte.

In diesem Sinne ein kleiner Ausflug in die Hofgeschichte:
1784 ging das „Gut Schenkenberg“ mit dem „Nebenhof“ Rothenhausen in den Besitz der Familie von Rumohr. Die Familie von Rumohr gehört zum Schleswig-Holsteinischen Uradel und ihr bekanntester Vertreter ist Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843), welcher 1804 die beiden Güter erbte und das Gut Rothenhausen zu seinem Hauptwohnsitz machte. Seit dieser Zeit ist das Gut ein eigenständiger landwirtschaftlicher Betrieb.
Carl Friedrich von Rumohr war ein umtriebiger Zeitgenosse mit vielfältigen Interessen: ererbtermaßen finanziell unabhängig, betätigte er sich als Kunstsammler und Mäzen, als Schriftsteller von kunstgeschichtlichen Betrachtungen und er interessierte sich für politische und soziale Fragen. Besonders interessant ist, dass er sich auch für eine sinnvolle Gestaltung der Landschaft engagierte. Ein Ergebnis dieser Bemühungen sind die besonders schönen Baumbestände auf den Hofflächen.
Eine seiner weiteren Leidenschaften war das Essen. Man soll es nicht glauben, aber Carl Friedrich von Rumohr veröffentlichte 1822 ein Kochbuch mit dem Titel „Geist der Kochkunst“. Damit war dazumal wohl kein großer Ruhm und Ehre zu gewinnen, denn zu dieser Zeit in unseren Landen diente Nahrung vor allem dem Überleben und nicht dem Genuss. So veröffentlichte er dieses Buch zu Anfang unter dem Namen seines „Leibkoches“. Carl Friedrich von Rumohr trug für das Buch eine beachtliche Menge an Rezepten zusammen. Er berichtet von Tofu und Sojasoße, er begeistert sich für die englische Metzgerkunst und die ausgefeilten Techniken, um ein Stück Rindfleisch rosa zu braten und er schwärmt von erstklassigen, französischen Spezialitäten wie dem Bayonner Schinken.
Seine besondere Vorliebe galt der italienischen Küche, die er auf seinen Studienreisen als Kunsthistoriker entdeckte. Die Rezepte und Zutaten, die er dort kennenlernte, lobt er mehr als alles andere. Besonders die Verwendung des Olivenöls weckte seine Leidenschaft. Jedem Fleisch und jeder Pflanze widmet er passende Rezeptvorschläge und geht auf die jeweiligen Eigenheiten und Bedürfnisse ein. Dabei verficht er den Gedanken einer klassischen Reinheit. Alles soll möglichst echt und gesund aus sich selbst hervorgehen (von A. Berchem, Carl Friedrich von Rumohr – Geist der Kochkunst, Buchbesprechung). Diese Gedanken sind auch in der Zeit von „Slow Food“ modern, so plädiert Carl Friedrich von Rumohr für die Verwendung heimischer (regionaler) Produkte sowie für schonende, bzw. puristische Zubereitungsweisen.
Auch wenn sein „Kochbuch“ letztlich das erfolgreichste war, erntete er von seinen Zeitgenossen wohl vor allem Spott und Häme, ob seiner Leidenschaft für solch „niedrigstgestellte Sinne wie Geruch und Geschmack…“ Seiner Freude am Essen tat dies wohl keinen Abbruch - wie man an späteren Portraits unschwer erkennen kann….
So lässt sich ein schöner Bogen schlagen zu der heutigen Zeit und den Menschen des Hofes: bislang weniger, was die Leibesfülle angeht, sondern vielmehr teilen auch wir die Leidenschaft und Wertschätzung für handwerklich erzeugte und gesunde Lebensmittel.

Herzliche Grüße
für die Hofgemeinschaft
Ralph Seckler