Liebe Freundinnen und Kundinnen des Hofes
was soll ich Ihnen denn in dieser seltsamen Zeit schreiben?!? Wie wichtig ist denn das, was hier auf dem Hof geschieht? Gibt es nicht viel wichtigere Themen, über die wir uns austauschen sollten?

Z.B. die Lage an der Griechisch-Türkischen Grenze und die Vereinbarkeit des Verhaltens der EU mit ihrer eigenen „Charta der Grundrechte“. Oder aber die vielen Kinder, die überall besser aufgehoben sind als zu Hause, nun aber eben dort festsitzen da keine Schule/KiTa sich ihrer annimmt...
Vielleicht sind aber auch die Berichte vom Hof eine ganz nette Abwechslung in der Krise, ein bisschen heile Welt?
Wir spüren hier natürlich auch einen Teil der Auswirkungen der Corona-Krise, vor allem an Ihrem Verhalten liebe Kundinnen: Diejenigen, die in den Laden kommen bleiben nur ganz kurz, wodurch der Hof sehr leer und ruhig ist. Diejenigen, die über den Lieferservice bestellen werden aktuell mehr und wollen auch mehr und dann gibt es noch die, welche wahrscheinlich Sorge vor noch stärkeren Einschränkungen haben oder dass wir bei der hohen Nachfrage irgend wann nicht mehr liefern können und sich deshalb mit reichlich Getreide eindecken.
Natürlich weiß niemand, wie sich die Lage entwickelt, aber noch sind unsere Lager gut gefüllt – Sie brauchen also diesbezüglich keine Angst zu haben!
Wenn Sie einen Garten (oder Balkonkasten) haben, könnten Sie jetzt zur Krisenvorsorge zum Beispiel bald ein paar Kartoffeln pflanzen – falls unsere Lager sich doch leeren sollten. Als Pflanzgut nehmen Sie einfach unsere Speisekartoffeln und lassen Sie auf der Fensterbank kleine (5mm) grüne dicke Keime treiben.
Wenn Sie was fürs Klima tun wollen, essen Sie eines unserer leckeren Brathähnchen – Hühner/Hähne haben einen besseren CO2 Fußabdruck als anderes Fleisch und wenn sie gegessen werden kommen sie aus der Tiefkühltruhe und wir können diese ausschalten, was wiederum Strom spart.
So, genug der Tipps. Was macht der Ackerbau? Um diese Jahreszeit wachen wir Ackerbauern so langsam aus dem Winterschlaf auf, recken unsere im nicht ganz so ergonomischen Bürostuhl steif gewordenen Glieder, schütteln den Winterspeck ab (dazu ist eigentlich die SunshineParty gedacht gewesen...) und schauen uns auf den Äckern um: was hat sich wie entwickelt, wie nass und kalt ist der Boden noch, „ah hallo ihr Regenwürmer“, hier ein Unkräutlein, da noch eins – was war das doch gleich? Dann wird schnell das Saatgut gecheckt, noch etwas Hafer gereinigt, die Frisur sitzt - und los geht’s!
Ja schön wärs. Meistens ist doch mehr Geduld gefragt, wenn wir nicht die ganze schöne Struktur aus Röhren, Kapillaren und Krümeln, die uns das Bodenleben über die Wintermonate im Boden aufgebaut hat durch eine zu frühe Überfahrt zerstören wollen. Aber dieses Jahr sieht es so aus, als ob wir gegen Ende März schon loslegen können!

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund und halten Sie durch!
Ihr Ackerbauer Philipp Hennig