Liebe Kunden
wir haben uns entschlossen zum Juni diesen Jahres die Preise für unsere Rohmilch (auf 1,50€/Liter) und auch die der Molkereiprodukte anzuheben.

xViele unserer Demeter Verbandskollegen realisieren diesen Preis schon lange und sind wie wir der Meinung, dass dieses rare Produkt ihn auch wert ist. Wir gehen diesen Schritt jetzt angesichts ständig steigender Ausgaben für Personal, landwirtschaftliche Lohnarbeiten und der Notwendigkeit aufgrund der Trockenheit der letzten Jahre, große Mengen an Grundfutter zukaufen zu müssen. Die gestiegenen Kosten anderweitig abzufangen, kann ich mir nicht vorstellen, hieße es doch Abstriche zu machen, die entweder auf dem Rücken der hier arbeitenden Menschen oder der lieben Tiere ausgetragen werden müssten. Unsere Ideale in der Tierhaltung sind hoch, angefangen dabei, dass unsere Kühe ihre Hörner tragen dürfen und damit ein erhöhter Platzbedarf notwendig ist, um sich als Kuh auch mal aus dem Weg gehen zu können. Entgegen allen wirtschaftlichen Überlegungen, die eindeutig für einen Liegeboxenstall sprechen würden, halte ich auch weiter an der Haltung der Herde auf Tiefstreu fest. Im Vergleich brauchen wir dadurch deutlich mehr Zeit und Stroh für die Pflege der Liegefläche aber jede Kuh findet einen bequemen Platz und muss sich nicht in ein genormtes Raster quetschen. Solche Beispiele finde ich unzählige, unmöglich die alle an dieser Stelle zu benennen. Ein weiteres will ich dennoch etwas genauer ausführen:
Es geht um die Kleinsten. Milcherzeugung ist untrennbar mit der Geburt eines Kindes verbunden, erst dadurch wird ein Rind zur Milchkuh. Als Milcherzeuger ist man nun aber auf den Verkauf der Milch angewiesen und tritt damit automatisch in Konkurrenz zu dem Kalb. In den meisten Erzeugerbetrieben werden die Kälber deshalb möglichst früh von den Müttern getrennt und, wie absurd, mit Milchpulver getränkt. Demeter Kälber bekommen schon immer grundsätzlich Vollmilch, dennoch ist die Konkurrenzsituation die gleiche. Durch das Trennen von Mutter und Kind ist der Landwirt in der Lage die Menge der Milch für das Kalb zu steuern und so ohne es unter zu versorgen auf das notwendige Maß zu beschränken. Was allerdings nicht nur beschränkt sondern ganz unterbunden wird, sind die sozialen Kontakte zwischen Kuh und Kalb. Die sind für das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Entwicklung des Kalbes ebenso wichtig wie Nahrung. Auch wenn sich die Landwirte noch so sehr bemühen und kümmern wird es keiner schaffen die Kuh in diesem Punkt gleichwertig zu ersetzen, oder können sie sich vorstellen ein Kalb während es trinkt zärtlich von Kopf bis Fuß zu belecken?
Um für unsere Kälber die bestmögliche also natürlichste Versorgung zu ermöglichen, experimentiere ich deshalb seit einigen Monaten mit mutter- bzw. ammengebundener Aufzucht. Kuh und Kalb bleiben dabei für einige Tage gemeinsam in einer Abkalbebucht im Kuhstall, um sich ausgiebig kennenlernen zu können. Anschließend kommt die Mutter erst drei-, dann nur noch zweimal am Tag vor dem Melken zum Tränken. Die Kälber werden schon in den Abkalbebuchten zu kleinen Gruppen möglichst gleichen Alters zusammengestellt und dann zusammen von nur einer oder zwei Ammenkühen versorgt. Da stellt sich schnell heraus welches Kalb eher forsch, welches eher zurückhaltend ist. Auf jeden Fall ist viel Aufmerksamkeit gefragt, um die Gruppen ordentlich zu organisieren. Bis jetzt bin ich eigentlich mit dem Verfahren sehr zufrieden, es gibt aber noch vieles zu entwickeln und verbessern. Wenn sich die allgemeine Lage entspannt werde ich zu diesem Thema eine Führung anbieten. Solange trinken die Kälber ihre Milch nur noch wohltemperiert direkt an der Erzeugerin und ich hoffe auch sie genießen weiterhin unsere besondere Rohmilch. Leider ist die Lieferung als Trinkmilch über den Lieferservice weiterhin nicht möglch.
Für die Hofgemeinschaft.
Ihr Rindviehhalter Martin Dörschug