Liebe Kunden,
vielleicht sind manche von Ihnen auch schon in das zweifelhafte Vergnügen gekommen, einen Betrieb zu übernehmen oder zu übergeben.

Keine leichte Aufgabe, wie wir kürzlich mal wieder erfuhren. Freunde waren zu Besuch und erzählten nicht ohne einen gewissen Leidensdruck, wie sie als drei nachfolgende Familien um die Gunst des Partiarchen ringen und dabei zusehen müssen, wie er einfach nicht einmal beginnen möchte, über eine Übergabe nachzudenken, bzw. der einzige Gedanke, der ihm dazu kommt der sofortige Ruin des mühsam aufgebauten, gut laufenden Betriebes ist. Die drei Söhne und ihre Frauen arbeiten zwar schon lange voll mit, übernehmen wesentliche Aufgaben in allen Bereichen und sind ausgesprochen sachverständig. Leider geht es trotzdem nicht voran, vielmehr verhärten sich die Fronten und die Situation fährt sich immer fester. Die Möglichkeit, einen unparteiischen Mediator dazuzuholen, wird auch nicht in Erwägung gezogen und so scheint der Weg in eine Einbahnstrasse und Sackgasse zugleich zu führen. Das gefährdet nicht nur die Zukunft des Betriebes, sondern die ganze Großfamilie.
Wie glücklich können wir uns auf Gut Rothenhausen schätzen, eine Hofgemeinschaft gefunden zu haben, in der zwar das Herzblut unserer Vorgänger- liebevoll die Alten genannt- nicht weniger an dem Hof klebt als bei o.g. Freunden, wo aber bei der Übergabe viel mehr Offenheit für gangbare Wege in die Zukunft herrschte. Sicher fiel es den Alten nicht leicht, das, was sie aufgebaut hatten, in die Hände von Menschen zu geben, die sie noch nicht lange kannten und die natürlich auch eine andere Sicht auf die aktuellen gesellschaftlichen, ökonomischen und privaten Entwicklungen hatten; und doch schafften es alle, ihre Bereiche nach kurzer Zeit und mit Vertrauen in die Hände der Jungen zu geben.
Noch ein Anekdötchen von einem anderen Betrieb: wir waren auf einem Familienbesuch bei Freunden in Süddeutschland, die seit relativ kurzer Zeit ein Weingut bewirtschaften. Um die Direktvermarktung richtig voranzubringen, haben sie kürzlich eine Vinothek gebaut. Hier wird im hinteren Teil des Gebäudes der Wein hergestellt und im vorderen Teil verkauft. Das Gebäude ist noch nicht ganz fertig, doch der Verkauf hat schon begonnen. Das Frühjahr ist im Weinbau eine sehr arbeitsintensive Zeit. Da das junge Paar nicht mit goldenem Löffel im Mund geboren wurde, kann bisher niemand eingestellt werden und die Arbeit überrollt die beiden genauso wie die Sorge ums Geld. Das hinterlässt auch Spuren im Herz und Hirn der beiden. Vielleicht erscheint die Situation nicht so aussichtslos wie im ersten Fall, bedrohlich kann sie allemal empfunden werden. Auch hier können wir Jungen nicht mitstinken. Wir sind ohne Kapital gekommen und dürfen einfach das weitermachen, was zuvor mühsam aufgebaut wurde.
Vielen Dank liebe Alte, dass wir dieses tolle Projekt fortführen dürfen und ihr uns auch immer wieder so wohlwollend zur Seite steht.
Für die Hofgemeinschaft Henning Jahn