Liebe Kunden,
während die meisten Gemüsekulturen als Jungpflanze auf das Feld kommen, gibt es einige Kulturen die direkt auf unserem Gemüseacker gesät werden.

Letzte Woche z.B. Möhren, Petersilienwurzel und Pastinake. Spinat und Radieschen wurden und werden bereits geerntet. Die rote und gelbe Bete sind aktuell im sog. Keimblattstadium und haben ihre erste „Beikrautregulierung“ erfahren.
Dieses ist ein großes und spannendes Thema und eine schöne Herausforderung für jeden Gärtner! Wenn Sie sich schon mal mit Möhren im eigenen Garten versucht haben, ahnen Sie sicher, was ich meine. Da wächst auf einmal ziemlich viel, aber wo bleiben die Möhren?! Die Möhre gehört zu den Kulturen mit der langsamsten Jugendentwicklung, so können im Frühjahr schon mal drei Wochen vergehen, bis sie oberhalb der Erde zu erkennen ist. Auch wenn bei fast all unseren Kulturen die „händische“ Regulierung unerlässlich ist – sind es doch die Möhren, bzw. auch ihre Artverwandten (Petersilienwurzel und Pastinake), welche uns in den kommenden Wochen intensiv beschäftigen werden.
In unserem Gewächshaus ernten wir aktuell die ersten (Mini)Gurken, Stangenbohnen und auch Zucchini in kleinen Mengen. Die ersten (grünen) Tomaten sind zu erkennen. Damit das so ist, wohnt auch seit mehreren Wochen in unserem Gewächshaus ein Hummelvolk. 1988 hat man herausgefunden, dass Hummeln dank ihrer einzigartigen Vibrationsbestäubungstechnik (die Blüte vibriert aufgrund des Flügelschlags der Hummeln) für Tomaten die besten Bestäuber sind und so die äußerst arbeitsintensive und weniger effiziente Handbestäubung ersetzen können. Innerhalb von drei Jahren wurde der Einsatz von Hummeln für Tomaten zum weltweiten Standard. Es gibt ca. 36 Hummelarten in Deutschland, bei uns im Einsatz ist die Erdhummel (Bombus terrestris). Interessant: britische Forscher haben festgestellt, dass Hummeln individuelle „Schweissfüße“ haben ... so erkennt die Hummel bereits beim Anflug an der „Duftmarke“: hier war ich schon, bzw. eine Kollegin ... und spart sich viel Arbeit.
Überhaupt finden sich auch im Gewächshaus ohne unser Zutun allerlei Tierchen ein: Läuse, Thripse, Spinnmilben, Wanzen ... damit diese sogenannten Schädlinge in unserem Glashaus nicht überhand nehmen, versuchen wir bereits zu Kulturbeginn entsprechende Gegenspieler (Nützlinge) zu etablieren. Das wäre z.B. für die Spinnmilbe und Thripse die Raubmilbe oder Florfliege, gegen Läuse helfen Schlupfwespen ... die Entwicklung gilt es während der Kulturdauer gut zu beobachten. Hilfreich ist hier oft eine Lupe.
Wie so häufig schafft auch hier ein gesundes Gleichgewicht Zufriedenheit für alle Beteiligten.
Herzliche Grüße
für die Hofgemeinschaft
Ralph Seckler