Liebe Kunden/innen
Sonnenanbeter oder Schattenfreund?

Wie ist das bei Ihnen? Genießen sie die trockene Hitze der letzten Woche mit 30 Grad und wolkenlosem Himmel oder geht es Ihnen wie mir und Sie würden am liebsten den kühlen Schatten oder gar den noch kühleren Keller nicht mehr verlassen wollen? Ich bin mir sicher diese Fragen werden auch in Ihrem Bekanntenkreis und der Familie heiß diskutiert.
Auf uns Landwirte wirkt sich die heiße Wetterlage jedenfalls sehr unterschiedlich aus. Der Ackerbauer, obwohl persönlich auch eher den moderaten Temperaturen zugeneigt, freut sich über das stabile Wetter, da der Drusch der Ackerfrüchte ohne drohenden Regen mit deutlich mehr Gelassenheit betrieben werden kann und zudem unsere späten Kulturen wie der Buchweizen, der Körnerhanf und in diesem Jahr erstmalig die Hirse deutlich besser abreifen. Auch das Pressen und Bergen des Strohs ist unter diesen Bedingungen nahezu stressfrei zu bewältigen. Ganz anders allerdings sieht es bei der Bodenbearbeitung und der Kartoffelernte aus. Bei jeder Bewegung des Erdreichs erzeugt man eine meterlange Staubfahne, die vom Wind unwiederbringlich fortgetragen wird. Hier heißt es also warten um der Erosion möglichst zu entgehen.
Ich als Stallbauer leide gleich mehrfach. Zum einen persönlich, weil mir 15 Grad zum Wohlfühlen völlig ausreichen, zum anderen der Tiere wegen. Die Kühe sind mit Temperaturen um 30 Grad allesamt überfordert. Ihr Wohlfühlbereich liegt noch deutlich unter meinem. Sie jetzt in der Sonne weiden zu lassen, bringt sie an den Rand der Erschöpfung, weshalb ich ihnen zur Zeit tagsüber immer stark beschattete Weiden zur Verfügung stelle. Zudem kriegen sie nachmittags beim Melken im Stall eine ausgiebige, kalte Dusche aus dem Wasserschlauch. Nachts können sie dann die weniger schattigen Ackerfutterflächen nutze, die allerdings, was die Futterqualität betrifft, durch die Trockenheit auch zu wünschen übrig lassen. Die Gräser vertrocknen zum Großteil bereits und auch der tiefer wurzelnde Klee kommt nicht mehr an ausreichend Wasser. An einen saftigen, nährenden Bestand ist also gerade nicht zu denken. Das schlägt sich natürlich sofort in der Leistung der Tiere nieder und so ist die Milchmenge der Herde innerhalb der letzten 2 Wochen rapide gefallen. Bislang wirkt sich der Hitzestress zum Glück noch nicht auf die Gesundheit der Tiere aus und die Wetterprognosen sagen ja ein wenig Abkühlung und sogar etwas Regen voraus.
Drücken sie uns also die Daumen, dass wir diese Durststrecke alle gesund überstehen.
Für die Hofgemeinschaft
Martin Dörschug