Liebe Kundinnen und Freunde,

die Getreide-Ernte ist drin, wir haben schon einiges an Zwischenfrüchten gesät und nun steht eigentlich nur noch die Hirse auf dem Acker und wartet auf ihre Ernte – bzw. eigentlich anders herum: wir stehen am Acker und warten darauf, dass die Hirse bald reif ist.

Aber davon an anderer Stelle einmal mehr, denn in der Zwischenzeit haben wir angefangen, die Kartoffeln zu roden. Wenn es nur nach mir gegangen wäre, hätten wir schon Mitte August begonnen. Da hat uns aber das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht – es war zu trocken! Ja tatsächlich, das gibt’s auch. Es ist nicht nur häufig zu nass für viele Arbeiten, sondern immer öfter auch zu trocken. Gerade bei den Kartoffeln ist es wichtig, dass die Erde eine optimale Erntefeuchte hat: sie soll möglichst lange mit den Kartoffeln auf der Siebkette des Roders mitfahren und erst kurz vor knapp abgesiebt sein. So sind die Kartoffeln gut geschützt und kommen unbeschädigt ins Lager. Ist es aber zu trocken, fällt die Erde direkt hinter dem Rodeschar schon durchs Sieb und die Kartoffeln müssen ungeschützt den langen Weg nach oben hoppeln – und das führt zu Beschädigungen. Des Weiteren staubt es bei zu großer Trockenheit ungeheuerlich. Und der Staub ist nicht irgendein Dreck, sondern unser wertvoller Ackerboden, der dann mehrere Kilometer weit wegfliegt und irgendwo landet, wo er uns nichts mehr nützt. Also lassen wir staubige Arbeiten bei großer Trockenheit lieber sein oder passen sie so an, dass möglichst wenig Boden verloren geht. Das maschinelle Kartoffelroden lässt sich aber nicht wirklich anpassen und da wir die 3,5 ha nicht von Hand ausbuddeln wollten, mussten wir eben warten. In der letzten Augustwoche war's dann zu nass - und nun Anfang September passt alles. Mit dem Ertrag können wir ganz zufrieden sein, nur die Qualität ist etwas unterschiedlich: etwa die Hälfte des Ackers ist recht stark mit rhizoctonia solani befallen, einem Pilz, der unschöne schwarze Einschlüsse erzeugt. Dass vor allem die eine Ackerhälfte befallen ist, liegt wahrscheinlich an einer ungünstigen Verkettung: auf dieser Hälfte ist der Boden besonders leicht und infolgedessen dieses Jahr auch trockener geworden als die andere Hälfte. Der Drahtwurm, die Larve des Erdschnellkäfers, bekam Durst und bohrte die Kartoffeln an (obwohl er sie eigentlich gar nicht sonderlich mag). Es bleiben Löcher, also Beschädigungen der Schale und der Pilz hat leichtes Spiel, in die Kartoffel zu gelangen. Jaja, die Natur. Und wir haben im Winter etwas mehr zu sortieren!

Da beim Roden immer die eine oder andere Kartoffel vom Roder fällt, ist nun die Zeit gekommen, in der Sie gerne auch wieder nachsammeln dürfen! Nehmen Sie einen Korb, Sack oder Kiste, folgen Sie einfach der Beschilderung zum Kartoffelacker und sammeln Sie nach Herzenslust. Kosten tut es dieses Jahr nichts.

Schöne Grüße,
Ihr Ackerbauer Philipp Hennig