Liebe Freundinnen und Freunde,

während um uns herum die Welt tobt, kommt der Hof so langsam zur Ruhe.

Es ist Herbst und alles beginnt sich nach innen zu ziehen: die Kühe sind nun Tag und Nacht im und hinter dem Stall, das Obst wandert in den Lagerkeller oder zur Mosterei, die letzten Tomaten haben das Gewächshaus verlassen, schon ein großer Teil des Gemüses ist im Kühlraum, Sauerkraut gehobelt und gestampft, das Getreide und die Kartoffeln in Silos und Großkisten.

Noch ist es zu früh für eine Jahresrückschau – die kommt dann im Jahresbrief zu Weihnachten. Jetzt ist erstmal die Zeit für Aufräumarbeiten: viel viel Laub fegen, Gräben freischneiden, die letzten Maschinen unter Dach stellen, die Werkstätten und diversen anderen Lagerstätten sortieren. Und irgendwie auch schon ein wenig aufs neue Jahr blicken: beim „Einwintern“ der Maschinen und Geräte mache ich mir auch immer gleich eine Liste mit Reparaturen oder Änderungswünschen, die ich vor der nächsten Saison im Winter durchführen muss bzw. möchte: der Mähdrescher soll zum Beispiel vorsorglich ein paar neue Lager an der Dreschtrommel und Überkehrschnecke bekommen. Der Leichtgrubber braucht neue Schare – ein Karton mit frischgepressten Gänsefußscharen steht schon bereit. Am Rotortiller muss die Hitch runderneuert werden und alle Anbaugeräte brauchen Beleuchtung, damit ich auch außerhalb des Hofes auf der Straße fahren darf.

Und da irgendwie alle (mich eingeschlossen) immer glauben, der Ackerbauer habe im Winter nix zu tun, gibt es die ganzen Arbeiten, die extra aufgehoben wurden: Jahresabschluss fertigmachen,
Projekte im und am Haus etc. ...

Während alles draußen zur Ruhe kommt, wird’s innen um so lebendiger. Ich mag diese Jahreszeit des Übergangs, besonders an so sonnigen Tagen, wenn ich mit einem Spaten zwischendurch meine kleine Freunde auf dem Acker besuche: während der Boden im Sommer durch die Trockenheit fast wie ausgestorben wirkte, kommt jetzt durch die Feuchtigkeit und die feine Durchwurzelung der Gründüngung wieder unglaublich viel Leben in den Boden, welches sich mit allen Sinnen
wahrnehmen lässt!

Genießen Sie die Herbstsonne!

Ihr Ackerbauer Philipp Hennig